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Airline soll in Vueling aufgehen

Niki-Betriebsratschef Stefan Tankovits sieht den Verkauf der insolventen früheren Air-Berlin-Tochter an den britisch-spanischen Luftfahrtkonzern IAG sehr positiv: „Unter den Umständen war es die beste Lösung“, sagte Tankovits am Samstag im Ö1-Morgenjournal. „Jetzt haben wir die Information, dass es für 750 Mitarbeiter von 1.000 auf jeden Fall weitergeht.“ Es könnten auch mehr Mitarbeiter werden.

„Wir werden da auch langfristig mehr Perspektiven haben.“ Die große Frage sei nun, ob die Arbeitsplätze auch in Österreich bleiben. In Vorgesprächen habe sich IAG zu Österreich bekannt. Tankovits sieht „für die Bodenmitarbeiter gute Chancen“. Was das fliegende Personal betrifft, würden die Standorte weiterhin in Deutschland sein, auch in Österreich. Das müsse geklärt werden, ebenso ob es einen Betriebsübergang geben werde.

„Gute Jobchancen für fliegendes Personal“

Allerdings macht sich Tankovits offenbar um die restlichen Mitarbeiter nicht allzu große Sorgen: „Es gibt rundherum sehr gute Jobchancen für fliegendes Personal. Ich denke unterm Strich, mit Abgängen, die es auch schon gibt teilweise, wird sich das ganz gut ausgehen.“ Die Gehälter würden laut Zusage bis Ende Februar gezahlt. Tankovits geht davon aus, dass Niki nicht vor März wieder fliegt. Davor müssten die IT-Verkaufssysteme umgestellt werden.

Niki-Betriebsratschef Stefan Tankovits

ORF

Tankovits ist auch für jene Mitarbeiter zuversichtlich, die nicht im Unternehmen bleiben können: „Es gibt rundherum sehr gute Jobchancen für fliegendes Personal“

Befürchtungen von Airline-Gründer Niki Lauda in Richtung Zerschlagung oder Bankrott der Fluglinie teilte der Betriebsratschef nicht. „Diese Behauptungen waren absolut substanzlos. Wie man sieht, ist das Konzept, das Geschäft so gut wie möglich, so integrativ wie möglich zu erhalten.“ Das Angebot von IAG sei „das beste Angebot“ gewesen, „was den Kaufpreis für die Gläubiger betrifft als auch für die Mitarbeiter“, betonte Tankovits - Audio dazu in oe1.ORF.at.

In einem Schreiben an die rund 1.000 Niki-Beschäftigten hatten Niki-Geschäftsführer Oliver Lackmann und Insolvenzverwalter Lucas Flöther bereits Donnerstagabend erklärt, der vom vorläufigen Gläubigerausschuss ausgewählte Investor strebe eine ganzheitliche Fortführung des Geschäftsbetriebs „mit mindestens einem Großteil der Arbeitsplätze“ an. Eine Zerschlagung von Niki werde mit diesem Investor definitiv nicht erfolgen, so die Einschätzung der Niki-Geschäftsführung.

Neugründung in Österreich

IAG hatte Freitagnacht den Kauf von Niki bestätigt. Der Kaufpreis wurde mit 36,5 Mio. Euro angegeben. Niki soll in einer neu geschaffenen Tochter der Billigairline Vueling aufgehen. Diese neue Vueling-Tochtergesellschaft werde in Österreich gegründet und von Beginn an eigenständig sein, berichtete das Branchenportal aeroTelegraph.

Vueling-Maschine

APA/Robert Jäger

Vueling ist die Billigmarke der IAG

Details über den Markenauftritt und das Netzwerk der österreichischen Tochter will die IAG zu einem späteren Zeitpunkt bekanntgeben. Die Ausrichtung von Niki auf Freizeitdestinationen passe hervorragend zur eigenen Tochter Vueling, so IAG-Chef Willie Walsh laut aeroTelegraph.

Die Angestellten der insolventen Fluggesellschaft sollen sich neu bewerben, berichtete indes die „Berliner Morgenpost“. Auf diese Weise können die Spanier mit den Niki-Beschäftigten neue Verträge aushandeln. Der neue Eigentümer wird bereits ab Jänner Gehälter zahlen und den laufenden Betrieb finanzieren.

Höchstes Angebot

IAG/Vueling hatte das höchste Angebot abgegeben, daher hatte Insolvenzverwalter Flöther zuletzt nur noch mit dem Konzern verhandelt. Flöther, der neben Air Berlin auch bei Niki zum Insolvenzverwalter bestellt wurde, versuchte mit einem Notverkauf zu retten, was zu retten war. Anfang Jänner drohte die österreichische Gesellschaft die wertvollen Start- und Landerechte zu verlieren.

IAG setzte sich am Ende gegen drei andere Bieter durch, darunter den Firmengründer Lauda. Eigentlich wollte der Insolvenzverwalter Niki an die Lufthansa verkaufen. Nach erheblichen Widerständen der EU-Wettbewerbshüter zog der deutsche Konzern sein Angebot zurück.

Billigalternative zu Iberia

Vueling mit Sitz in Barcelona ist IAG-konzernintern die Low-Cost-Alternative zur spanischen Iberia. Beide operieren demnach ähnlich wie die AUA-Mutter Lufthansa mit ihrer Billigtochter Eurowings: Iberia zielt stark auch auf Geschäftsreisende ab und fliegt Langstrecken, Vueling fliegt europäische Strecken und Ferienziele.

Mit einem Kauf von Niki könnte Vueling in diesem Segment zulegen - und auch in Deutschland und Österreich Fuß fassen. Vueling bzw. IAG hat auch nach Angaben des „Handelsblatts“ wohl keine Probleme, die Flugzeuge von Niki über die eigenen Vertriebskanäle schnell wieder zu füllen und damit Umsatz zu erzielen.

Hohe Marktanteile hat der spanische Billigflieger vor allem in seiner Heimat Spanien. Das galt indes auch für Niki: Seit die Airline im Frühjahr für Air Berlin den gesamten Mallorca-Verkehr aus dem deutschsprachigen Raum übernommen hatte, galt sie als das neue „Mallorca-Shuttle“. Aus Österreich, Deutschland und der Schweiz standen für den heurigen Winterflugplan 145 Niki-Flüge pro Woche auf dem Flugplan.

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