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„Voller Leben“

Eine Unterwasserexpedition in antarktischen Gewässern hat ein einzigartiges Ökosystem entdeckt. Die US-Forscherin Susanne Lockhart zeigt sich von den Aufnahmen und Daten, die mittels bemannter Tauchboote aufgezeichnet wurden, begeistert. Lockhart hofft eigenen Aussagen zufolge, dass die Ergebnisse der Expedition die zuständigen Staaten überzeugen, das Weddell-Meer im Nordwesten der Antarktis unter Schutz zu stellen.

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Gemeinsam mit der Umweltschutzorganisation Greenpeace, die auch den Schauspieler Javier Bardem für das Unternehmen als Testimonial rekrutierte, brachen Lockhart und andere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zur Antarktis auf, um die Unterwassertierwelt im Weddell-Meer genauer zu untersuchen. Dabei wurden bemannte Tauchboote eingesetzt.

Zwei-Mann-Unterwasserboot an der Wasseroberfläche

Greenpeace/Christian Aslund

Die Untersuchung des Meeresbodens und die Dokumentation der dortigen Tierwelt sollen helfen, bei der Sitzung der Internationalen Kommission zur Erhaltung der lebenden Meeresschätze in der Antarktis (CCAMLR) deren Mitglieder zu überzeugen, das Weddell-Meer zu schützen. 24 Staaten und die EU sind in der Kommission vertreten. Deutschland, dessen Alfred-Wegner-Institut in den letzten Jahren die Region intensiv erforschte, schlug bereits 2016 vor, das Meer zu schützen - konkret soll vor allem die Fischerei dort verboten werden.

Susanne Lockhart

Greenpeace/Christian Aslund

Die kalifornische Biologin Lockhart betonte nach einer ersten Durchsicht der Daten und Aufnahmen: „Die Region ist wirklich aufregend - mit einem Meeresboden voller Leben und Diversität. Diese Formen von Leben sind sehr sensibel bei jeder Störung. Ich werde meine Erkenntnisse der Kommission überreichen und ich hoffe, dass sie einen Schutzsstatus verhängen.“

Adeliepinguine

Greenpeace/Christian Aslund

Das Weddell-Meer wäre das bisher größte Meeresschutzgebiet der Welt. Allerdings ist dafür eine einstimmige Entscheidung aller CCAMLR-Mitglieder - also der 24 Staaten und der EU - nötig. Im nördlichsten Teil der Antarktis, in der Hope Bay, leben Kolonien von Adeliepinguinen.

Schauspieler Javier Bardem betrachtet am Bauch liegend einen Zügelpinguin aus der Nähe

Greenpeace/Christian Aslund

Das vorgeschlagene Schutzgebiet wäre 1,8 Millionen Quadratkilometer groß, das entspricht rund der 21-fachen Fläche von Österreich. Eingereicht wurde der Vorschlag auf Antrag Deutschlands durch die EU. Auch Großbritannien unterstützt das Vorhaben. Auf Tuchfühlung mit Pinguinen ging der spanische Schauspieler Javier Bardem.

Kapitänin Karin Bjork am Steuerrad

Greenpeace/Christian Aslund

Laut dem deutschen Landwirtschaftsministerium wäre die kommerzielle Fischerei „eine extreme Gefahr für die empfindlichen Bestände der rund 14.000 Tierarten im Weddell-Meer“. Das Meeresschutzgebiet solle „allein der wissenschaftlichen Forschung vorbehalten bleiben“. Die Finnin Karin Bjork brachte das Expeditionsteam mit dem Greenpeace-Schiff sicher zum Weddell-Meer.

Unterwasseraufnahme

Greenpeace

Internationale Fischereiflotten machten bisher einen Bogen um das Gebiet. „Damit das auch in Zukunft so bleibt, müssen wir hier einen Großteil der für die Fischerei interessanten Meeresgebiete unter Schutz stellen“, heißt es auf der Website des deutschen Landwirtschaftsministeriums.

Greenpeace-Schiff nahe zweier Eisschollen

Greenpeace/Christian Aslund

Eine der Hauptgefahren ist das Abfischen von Krill. Diese kleinen Krustentiere werden als Futter für Fischfarmen verwendet. Sie dienen aber in der freien Natur als wichtiges Glied in der Nahrungskette. Ein starker Rückgang des Bestands würde daher auch andere Tiere gefährden. Unterwegs zum Weddell-Meer passiert das Expeditionsschiff einen Eisberg.

Adeliepinguinkolonie

Greenpeace/Christian Aslund

Dass nur starke Überwachung den Schutz von Meeresreservaten garantiert, ist für Greenpeace kein Hindernis, „wenn wir beispielsweise eine verstärkte Satellitenüberwachung haben“, so die Leiterin der Greenpeace-Mission, Frida Bengtsson. „Die Verwendung moderner Technologien ist sehr wichtig, um sicherzustellen, dass es keine verbotenen Aktivitäten in den Schutzgebieten gibt.“ Es gebe die Instrumte, „es geht nur um die Bereitschaft, sie auch einzusetzen“. Auch für die Zukunft der Adeliepinguine in der Hope Bay wäre das entscheidend.

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