Tote bei schwerer Explosion im Zentrum Kabuls

Eine schwere Explosion hat heute das Zentrum der afghanischen Hauptstadt Kabul erschüttert. Dabei sollen nach offiziellen Angaben mindestens 95 Menschen ums Leben gekommen sein. Über 150 Menschen wurden verletzt. Zuerst war noch von 40 Toten die Rede gewesen.

Nach Angaben des Innenministeriums wurde die Tat von einem Selbstmordattentäter verübt, der seinen Sprengsatz in einem Rettungswagen versteckt hatte. Zu dem Anschlag, der sich in der Nähe mehrerer Botschafts- und Regierungsgebäude ereignete, bekannten sich die radikalislamischen Taliban.

Der Attentäter habe den Rettungswagen genutzt, um Sicherheitskontrollen passieren zu können, sagte ein Sprecher des Innenministeriums. An einem ersten Kontrollpunkt sei er durchgewunken worden, weil er angegeben habe, Patienten zu einem nahe gelegenen Krankenhaus zu bringen. An einem zweiten Kontrollpunkt sei er aber „erkannt“ wurden. Dort habe er dann seinen Sprengsatz gezündet.

Explosion in Regierungsviertel

Nach Angaben eines Sprechers ereignete sich die gewaltige Explosion in der Nähe des alten Gebäudes des Innenministeriums. Daneben befinden sich auch Büros der Vertretung der Europäischen Union, das Kabuler Polizeipräsidium und der Sitz des Hohen Friedensrats zur Aussöhnung mit den Aufständischen.

Der Anschlag habe einen Kontrollpunkt des Hohen Friedensrats zum Ziel gehabt, sagte ein Friedensratsvertreter der Nachrichtenagentur AFP. Bisher sei aber unklar, ob auch Mitglieder des Gremiums unter den Toten und Verletzten seien.

Fotos in Sozialen Netzwerken zeigten eine riesige Rauchwolke, an umliegenden Gebäuden gingen Fensterscheiben zu Bruch. Die italienische Hilfsorganisation Emergency teilte mit, in ihr Krankenhaus in Kabul seien mehr als 50 Menschen eingeliefert worden. Emergency-Koordinator Dejan Panic sprach von einem „Massaker“.

Zahl der Anschläge stark zugenommen

In Kabul hatte die Zahl der Anschläge zuletzt stark zugenommen. Die Hauptstadt gilt inzwischen als einer der gefährlichsten Orte für Zivilisten in Afghanistan. Vor einer Woche hatten Kämpfer der radikalislamischen Taliban das Intercontinental-Hotel angegriffen und mindestens 22 Menschen getötet. Die meisten Opfer waren Ausländer.

Die afghanischen Behörden warnten in einer Sicherheitswarnung speziell an Ausländer vor möglichen neuen Anschlägen der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS). Die IS-Kämpfer planen laut den Behörden weitere Anschläge auf Supermärkte, Geschäfte und Hotels, die von Ausländern besucht werden.