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600.000 Kinder vom Krieg betroffen

Der Krieg in der Ukraine geht in das fünfte Jahr. Caritas-Präsident Michael Landau hat Ende Jänner bei einer Pressekonferenz in der ukrainischen Stadt Charkiw an das mit dem Krieg verbundene humanitäre Drama erinnert.

Viele der innerhalb der Ukraine Geflüchteten seien arbeitslos und ihre finanziellen Mittel erschöpft, so Landau vor Journalistinnen und Journalisten aus Österreich. Die Zahl der Menschen im Osten der Ukraine, die zu wenig zu essen hätten, sei auf 1,2 Millionen gestiegen. Es fehle an sauberem Wasser, Decken, Kleidung, Hygieneartikeln, Öfen und Heizmaterial.

„Hier kämpfen Menschen ums Überleben. Das ist ein Stück Realität mitten in Europa, damit dürfen wir uns nicht abfinden“, so Landau. Insgesamt sind über fünf Millionen Menschen vom Krieg betroffen, darunter rund 600.000 Kinder. Drei Millionen Menschen mussten ihre Wohnorte verlassen, innerhalb des Landes sind 1,7 Millionen Menschen als Binnenflüchtlinge vertrieben. Die Caritas versorgt Menschen in und nahe der Pufferzone, die sich an beiden Seiten der Frontlinie erstreckt, mit Heizmaterial, Lebensmitteln und Hygieneartikeln.

„Unsichtbare humanitäre Krise“

„Die Ressourcen gehen aus“, bestätigte Andrij Waskowycz, Präsident der Caritas Ukraine. Laut UNO werden in diesem Jahr 187 Millionen Dollar gebraucht, 2017 konnten aber nicht einmal 40 Prozent davon gedeckt werden. Das habe enorme Auswirkungen auf das Leben der Menschen. In der Ukraine finde eine „unsichtbare humanitäre Krise“ statt.

Caritas-Präsident Michael Landau mit einem Mitarbeiter

ORF.at/Romana Beer

Christoph Schweifer, Chef der Caritas-Auslandshilfe, und Caritas-Präsident Michael Landau (v. l.) in Charkiw

Das größte Problem sei, dass es noch immer Kampfhandlungen gebe, so der Präsident der Caritas Ukraine. Die Bevölkerung entlang der Kontaktlinie zwischen den ukrainischen Regierungstruppen und den prorussischen Rebellen, die die selbst ernannten „Volksrepubliken“ Donezk und Luhansk kontrollieren, erlebe regelmäßig Gefechte und Beschuss.

Unterstützung in Kinderzentren

„Wenn Kinder in Armut leben, haben sie ein extrem hohes Risiko, ihr Leben lang in Armut zu leben“, sagte Christoph Schweifer, Generalsekretär der Caritas-Auslandshilfe. Kinder hätten ein Recht darauf, mit dem Lebensnotwendigen versorgt zu werden, mit Nahrung, mit Bildung und mit Gesundheitsdienstleistungen. Kinder aus Kriegsgebieten würden nicht nur durch Armut am Lernen gehindert werden, sondern auch durch Traumatisierung und damit verbunden durch Angst, Nervosität und Schlafstörungen.

„Wenn es um Traumatisierung geht, heilt Zeit keine Wunden“, so Schweifer, „Traumata müssen aktiv bearbeitet werden, sonst werden sie nicht vergehen.“ „Wenn Kinder nicht lernen dürfen oder können, dann hat das katastrophale Auswirkungen auf ihr ganzes Leben und die Gesellschaft, in der sie aufwachsen“, ergänzte Landau.

Spendenmöglichkeit

Caritas Österreich
IBAN: AT23 2011 1000 0123 4560
Kennwort: Kinder in Not

Ziel der Caritas sei es, 50.000 Kindern „ein chancenreiches Aufwachsen und den Zugang zu Bildung zu ermöglichen“. Die Caritas Österreich unterstützt in der Ukraine 15 Kinderzentren, in denen Kinder psychosoziale Unterstützung, Nachhilfe und Essen bekommen. Sie können an verschiedenen Freizeitaktivitäten wie Tanzen und Malen teilnehmen oder einfach nur in beheizten Räumen spielen. Auch in Kindergärten innerhalb der Pufferzone bietet die Caritas psychosoziale Unterstützung an, um die Widerstandsfähigkeit der Kinder zu stärken.

Landau erinnert an Zusage von Kurz

Landau und Waskowycz appellierten an die internationale Gemeinschaft, die Hilfsmittel für die Ukraine wieder aufzustocken. Landau sagte, er gehe davon aus, dass die Zusage von Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) während seiner Zeit als Außenminister, die Mittel der bilateralen Entwicklungszusammenarbeit (EZA) aufzustocken, weiterhin gelte – „und zwar mit dem Ziel einer Verdoppelung der Mittel für die Austrian Development Agency bis 2021“. Der Caritas-Präsident erinnerte zudem daran, dass das Regierungsprogramm eine Erhöhung des Auslandskatastrophenfonds vorsehe. Die Hilfe werde rasch und dringend benötigt.

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