Hochrangige Ärztevertreter in Türkei festgenommen

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Die Türkei geht immer härter gegen Kritiker ihrer Afrin-Offensive aus der Zivilgesellschaft vor: Die Polizei nahm heute elf Spitzenvertreter des Ärzteverbands fest, nachdem sie den Militäreinsatz gegen die syrischen Kurden kritisiert hatten.

Die Mitglieder der Türkischen Medizinischen Vereinigung (TTB) hatten Krieg in einer Erklärung als „öffentliches Gesundheitsproblem“ bezeichnet und sich damit den Zorn von Präsident Recep Tayyip Erdogan zugezogen.

Wie die amtliche Nachrichtenagentur Anadolu berichtete, war unter den Festgenommenen auch der TTB-Chef Rasit Tükel. Die Staatsanwaltschaft hatte zuvor Ermittlungen gegen den Verband eingeleitet, nachdem er gewarnt hatte, dass Krieg zu „irreparablen Problemen“ führe. „Nein zum Krieg, Frieden jetzt“, hieß es in dem Schreiben der TTB.

Präsident Erdogan reagierte erbost: Er warf der „sogenannten Türkischen Medizinischen Vereinigung“ vor, „Terroristen-Liebhaber“ zu sein. Am Sonntag legte Erdogan nach und sagte, die TTB-Vertreter seien „keine Intellektuellen, sondern eine Bande nicht denkender Sklaven“ und „Diener des Imperialismus“.

Amnesty fordert Freilassung

TTB bestätigte der Nachrichtenagentur AFP, dass alle Mitglieder seines Zentralrats festgenommen worden seien. Der Ärzteverband hat mehr als 83.000 Mitglieder und vertritt rund 80 Prozent der Mediziner in der Türkei. Seit Beginn des Konflikts in Syrien spielen türkische Ärzte eine wichtige Rolle bei der Behandlung der Opfer des Bürgerkriegs inner- wie außerhalb des Landes.

Amnesty International forderte die Freilassung der Festgenommen und kritisierte, dass der Verband seit der Erklärung zahlreiche Drohungen erhalten habe. Auch der Weltärztebund (WMA) kritisierte die Festnahmen.

Der Fall erinnert an das Vorgehen türkischer Behörden gegen die „Akademiker für den Frieden“, die im Jänner 2016 in einer Petition das Vorgehen der Regierung gegen die Kurden im Südosten der Türkei kritisiert hatten. Nachdem Erdogan die Petition in einer Rede scharf angegriffen hatte, wurden Hunderte Unterzeichner aus dem Staatsdienst entlassen.