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Häufiger Bruch mit Konventionen

Melania Trump hat sich kürzlich bei US-Präsident Donald Trumps Rede zur Lage der Nation erstmals nach Wochen wieder der Öffentlichkeit gezeigt. Anders als bisherige First Ladys erschien sie zu Trumps Rede jedoch getrennt von ihrem Mann. Einige Kommentatoren sehen nicht nur im jüngsten Auftritt der Präsidentengattin auch ein politisches Statement.

Für zahlreiche Diskussionen nach Donald Trumps „State of the Union“-Rede sorgten im Anschluss die Kleidung und Art der Ankunft der First Lady. In einem Hosenanzug - Beobachter sind sich ob der Farbe, cremefarben oder weiß, uneinig - erschien Melania Trump am Dienstag im Kapitol in Washington. Entgegen der Tradition fuhr sie alleine - und nicht in der Limousine des US-Präsidenten - zur Rede in der US-Hauptstadt.

US-First-Lady Melania Trumpl verlässt alleine das Capitol nach der Rede ihres Mannes

APA/AFP/Jim Watson

Der Hosenanzug von US-First-Lady Melania Trump bei der Rede zur Lage der Nation war Gesprächsthema in den Medien

Kommentatorin ortet „Anti-Trump-Uniform“

In Farbe und Art der Kleidung Melania Trumps sehen manche Kommentatoren in den USA jedenfalls eine Form stillen Protests, der sich auf eine angebliche Affäre des US-Präsidenten mit einer Pornodarstellerin vor einigen Jahren beziehen könnte. Die Korrespondentin der „New York Times“ im Weißen Haus sieht im Hosenanzug gleich zwei mögliche Lesarten: Einerseits könnte das Outfit eine Anspielung auf die dominierende Farbe bei den diesjährigen Grammys im Hinblick auf die „Time’s Up“-Bewegung für mehr Gleichberechtigung sein.

US-First-Lady Melania Trumpl klatscht während dem stehenden Beifall für ihren Mann im Sitzen

Reuters/Jonathan Ernst

Trump weicht oft von der Konvention ihrer Vorgängerinnen ab

Andererseits könnte es auch ein Wink in Richtung von Trumps Gegenkandidatin Hillary Clinton sein, deren Kleidung zum Symbol für die US-Demokratinnen wurde. Das sei wiederum eine Anspielung auf die im frühen 20. Jahrhundert für das Frauenwahlrecht kämpfenden Suffragetten, kommentiert die „NYT“-Modekritikerin. Diese sieht gar eine „Anti-Trump-Uniform“ darin - als Anspielung sei sie „etwa so subtil, wie eine Ohrfeige in einem Kleidungsstück verpackt werden kann“.

„WSJ“ berichtet über angebliche Affäre

Mit ihrem Auftritt im Kapitol heizte die First Lady die Gerüchte über einen möglichen Bruch in der Ehe mit Donald Trump jedenfalls neu an. Mitte Jänner veröffentlichte das „Wall Street Journal“ („WSJ“) den Bericht über die angebliche, Jahre zurückliegende Affäre des Präsidenten mit dem US-Pornostar Stormy Daniels alias Stephanie Clifford, unmittelbar vor der Wahl im Jahr 2016 eine sechsstellige Summe als Schweigegeld gezahlt worden sei. Daniels wies eine Affäre zwar zurück, ließ bei einem Besuch bei US-Talkshowmoderator Jimmy Kimmel aber bewusst einige Fragen offen.

Seit dem Aufkommen der Gerüchte zeigte sich Melania Trump häufig ohne Begleitung. Zum Jahrestag der Amtseinführung des US-Präsidenten veröffentlichte sie auf ihrem Instagram-Konto ein Foto - von sich, am Arm eines Soldaten, ohne ihren Mann zu erwähnen. Auch zum Weltwirtschaftsforum in Davos reiste sie nicht mit, stattdessen flog sie nach Florida. Vor allem der Boulevard in den USA sagt dem Ehepaar Trump eine Krise nach, die von Vertretern des Weißen Hauses stets zurückgewiesen wird.

Wenige öffentliche Auftritte

Freilich könnte die Kleiderwahl Melania Trumps zur Rede der Lage der Nation auch andere Gründe haben, wie den zahlreichen Kommentaren zum Auftritt der First Lady zu entnehmen ist. Und unmittelbar nachdem über ihre Ankunft ohne Mann berichtet worden war, kam eine Erklärung aus dem Weißen Haus, dass sich Melania Trump ihren Gästen widmen möchte.

Doch ihr Auftritt diese Woche im Kapitol ist nicht das erste Mal, dass Trump vom Amtsverständnis bisheriger First Ladys abweicht. Dass sie sich nicht immer an der Seite des US-Präsidenten zeigte, fiel der Presse in den Vereinigten Staaten öfters auf. Insgesamt ist sie im Gegensatz zu ihren Vorgängerinnen weniger in der Öffentlichkeit präsent. Erst im November veröffentlichte die US-Zeitschrift „Vanity Fair“ einen Bericht, in dem Trump nachgesagt wird, dass sie nie First Lady werden wollte. Am Tag darauf wurde das von einer Sprecherin zurückgewiesen.

US-First-Lady Melania Trump

Reuters/Jonathan Ernst

Mit der Wahl ihrer Kleidung sorgte Melania Trump für Diskussionen

Hinter Melania Trumps Auftritten wird jedoch seit jeher von einigen auch ein politisches Statement vermutet. So zeigte sie sich im vergangenen Jahr in Saudi-Arabien - wie andere politische Vertreterinnen vor ihr bereits auch - ohne Kopftuch. Stattdessen stach sie bei ihren Auftritten etwa durch ein olivgrünes Kleid auf, das das US-Magazin Hollywood Reporter als möglichen Kommentar zur Rolle der Frau wertete: Trump sehe aus wie eine „feministische Freiheitskämpferin“, so der Bericht. „Wollte sie signalisieren, wie weit das Land (Saudi-Arabien) gekommen ist, oder welchen Weg es noch vor sich hat?“

Rolle der First Lady dauerhaft verändert?

Zwar herrscht Uneinigkeit darüber, wie bewusst Trump ihre Mode verwendet, um ein Zeichen zu setzen. Ihr Amtsverständnis könnte die Rolle der First Lady in den USA jedoch dauerhaft ändern und als Fortsetzung der Arbeit früherer Ehefrauen von US-Präsidenten gesehen werden. Während Hillary Clinton nach der Affäre ihres Mannes Bill an seiner Seite blieb, sorgte schon die Aussage der nächsten First Lady, Michelle Obama, dass ihre Ehe „nicht perfekt“ sei, für Aufsehen.

Das Profil von Melania Trump geht damit - unabhängig von ihren Motiven - einen Schritt weiter in Richtung Selbstständigkeit und entfernt sich damit von den Vorbildern der vergangenen Jahrzehnte. In einem „NYT“-Kommentar der CNN-Redakteurin Kate Andersen Brower wird Trump als „zurückhaltendste First Lady seit Bess Truman (Frau von Präsident Harry S. Truman in den 1940ern und 1950ern, Anm.)“ bezeichnet. Mit ihrem Verhalten breche sie mit Traditionen, so Brower.

Doch nicht nur die liberale „Times“, die vom US-Präsidenten bevorzugt als „Fake News“ bezeichnet wird, sieht Melania Trump als selbstständiger als ihre Vorgängerinnen. Auch in der konservativen „New York Post“, die sich im Besitz von Medienmogul Rupert Murdoch befindet, ist in einem Kommentar zu lesen: „Melania Trump schuldet uns gar nichts.“ „Eine Ehefrau sollte nicht ihr Leben aufgeben, um den Ambitionen ihres Ehemanns zu helfen“, so die Autorin. „Unabhängig von der Politik ist das etwas, was alle Frauen schätzen sollten.“

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