Schwerverletzte bei Schlägerei unter Flüchtlingen in Calais

Bei Massenschlägereien unter Flüchtlingen sind in der französischen Stadt Calais mehrere Menschen schwer verletzt worden. Vier Menschen hätten lebensbedrohliche Schusswunden erlitten, 18 weitere seien durch Schläge mit Eisenstangen verletzt worden, teilte die Staatsanwaltschaft gestern Abend mit. Innenminister Gerard Collomb begab sich noch am Abend nach Calais.

Zu den ersten gewaltsamen Zusammenstößen kam es nach Polizeiangaben, als rund hundert Menschen bei der Ausgabe von Essen mit Steinen und Stangen aufeinander losgingen. Eine zweite Schlägerei habe es kurze Zeit später fünf Kilometer entfernt in der Gemeinde Marck gegeben.

Vier schwerverletzte Eritreer zwischen 16 und 18 Jahren wurden in Krankenhäuser von Calais eingeliefert, wie die Staatsanwaltschaft mitteilte. Der fünfte Schwerverletzte wurde wegen seines sehr schlechten Zustands in ein Krankenhaus ins benachbarte Lille gebracht.

Großbritannien als Ziel

In Calais halten sich nach Schätzung von Hilfsorganisationen derzeit rund 800 nach Europa geflohene Menschen auf. Sie versuchen, versteckt auf Lastern auf dem Seeweg oder durch den Eurotunnel nach Großbritannien zu gelangen. Sie leben unter schlimmen Bedingungen.

In einem improvisierten Flüchtlingslager, das 2016 von der Polizei abgerissen wurde, hatten zeitweise bis zu 10.000 Flüchtlinge in Calais gehaust. Das als „Dschungel“ bekannte Lager war in Frankreich zum Symbol für die Hilflosigkeit der Behörden im Umgang mit der steigenden Zahl von Migranten geworden.