Zeitung: Möglicherweise kein Lauschangriff auf Strache

Vor rund einer Woche hat das Innenministerium bekanntgegeben, dass Mitarbeiter von Vizekanzler Heinz-Christian Strache (FPÖ) in dessen Büro eine verdächtige Person bemerkt hätten, die unerkannt geflohen sei. Es seien zudem in Straches Büro Abhörwanzen gefunden worden, hieß es später aus dem Büro von Verteidigungsminister Mario Kunasek (FPÖ). Von wem die Abhörgeräte stammten und wer das Ziel des möglichen Lauschangriffs gewesen sein könnte, blieb unklar.

Wie der „Kurier“ (Onlineausgabe) gestern berichtete, mehren sich nun Zweifel am mutmaßlichen Lauschangriff. Bei dem im Palais Dietrichstein gefundenen Abhörgerät handle es sich um eine „altertümliche, mikrofonartige Vorrichtung“, wie sie heute nicht mehr verwendet werde. „Kein Geheimdienst der Welt verwendet noch verkabelte Wanzen, heute manipuliert man Telefone oder Computer mit kaum aufzuspürender Software“, so ein Insider des Innenministeriums gegenüber dem „Kurier“. Kleinere und effektivere Wanzen als das offenbar gefundene Gerät könne man bereits um wenig Geld im Internet bestellen.

Eventuell Reste des Kalten Kriegs

Der deutsche Spionageexperte Erich Schmidt-Eenboom mutmaßte gegenüber der Zeitung: „Es könnte sich um Technik aus den 1960er oder 70er Jahren handeln“, möglicherweise Restmaterial aus der Zeit der DDR-Ungarn-Spionage.

Der frühere Sektionschef Manfred Matzka sagte, die Büros seien immer wieder nach Wanzen durchsucht worden. Wanzen wären wohl schon früher entdeckt worden. Laut Matzka wurden einst Kabel verlegt, um Diskussionen im Parlament in die Ministerbüros zu übertragen. „Es könnte durchaus sein, dass dieses Kabel einfach mal jemand abgeschnitten und in der Wand gelassen hat.“