Neuseelands einsamer Tölpel Nigel tot

Der Tölpel Nigel ist gestorben, wie er gelebt hat: einsam unter Betonkameraden. Fünf Jahre lang lebte der Vogel als einziger seiner Art auf der unbewohnten Insel Mana im Norden Neuseelands - und gelangte in dem Land zu trauriger Berühmtheit.

Nigel „ohne Freunde“, wie ihn die Neuseeländer mitleidig nannten, war von Imitaten seiner Artgenossen aus Beton auf das Eiland gelockt worden. Aufgestellt hatte die Betonvögel die neuseeländische Naturschutzbehörde. Gemeinsam mit Tölpelrufen aus Lautsprechern wollten sie so eine Kolonie zur Ansiedlung auf der Insel bewegen.

Tölpel

APA/AFP/Oli Scarff

Tölpel sind normalerweise keine Einzelgänger

Doch dem Ruf der Naturschützer folgte nur ein Vogel - Nigel. Er war 2013 der erste Tölpel seit vierzig Jahren, der sich auf der Insel ansiedelte, und sollte es für die kommenden Jahre auch bleiben. Erst kurz vor seinem Tod bekam Nigel vor wenigen Wochen dann doch noch Gesellschaft von Artgenossen aus Fleisch und Blut.

Gefährtin aus Beton

Aber der Tölpel lehnte den Kontakt mit den Neuankömmlingen ab. Nigel habe kein Interesse an den lebenden Vögeln gezeigt, sagte Naturparkaufseher Chris Bell gegenüber dem britischen „Guardian“. Zu sehr schien sich der Vogel bereits an seine Artgenossen aus Beton gewöhnt zu haben.

In den vergangenen Jahren konnten ihn Inselbesucher dabei beobachten, wie er ein Nest für das von ihm auserkorene Vogelweibchen baute. Immer wieder versuchte er mit seinem Schnabel die Betonflügel seiner Gefährtin zu pflegen und mit ihr zu kommunizieren.

Für Erbe gesorgt

Mit Nigel verliert Mana die Hauptattraktion. Doch dürfte der Vogel - wenn wohl auch unwillentlich - für ein Erbe auf der Insel gesorgt haben. Die Naturschützer gehen davon aus, dass die drei neuen Tölpel seinetwegen auf die Insel kamen. Denn von den Betonvögeln hatte sich zuvor kein Tölpel täuschen lassen - bis auf Nigel eben.