VW will US-Prozesse wegen Nazi-Vergleichs verschieben

Volkswagen will US-Gerichtsprozesse im Abgasskandal wegen eines Nazi-Vergleichs des Klägeranwalts um je sechs Monate verschieben lassen. Die US-Tochter des deutschen Autobauers reichte gestern Abend (Ortszeit) einen entsprechenden Antrag beim zuständigen Gericht in Fairfax, Virginia, ein.

Da der Anwalt VW öffentlich mit „Hitler, dem Holocaust und anderem Horror“ in Verbindung gebracht habe, könnten die Fälle nicht in der aktuellen Atmosphäre verhandelt werden, heißt es in dem der dpa vorliegenden Antrag. Ohne eine „Abkühlungsperiode“ sei ein fairer Prozess unmöglich.

Anwälte sehen „unlauteren Versuch“

Klägeranwalt Michael Melkersen hatte in der Netflix-Dokumentation „Dirty Money“ Assoziationen zwischen Experimenten mit Dieselabgasen im Auftrag von VW und der Vergasung von Juden im Zweiten Weltkrieg zu wecken versucht. Die VW-Anwälte sehen darin einen unlauteren Versuch, die Jury gegen den Konzern aufzubringen. Für die eigentlichen Vorwürfe der Kläger - Abgasbetrug bei Dieselautos - hätten die Nazi-Vergleiche keine Relevanz, heißt es in dem Gerichtsantrag.

Melkersens Aussagen hatten sich auf Pläne von VW bezogen, die Schädlichkeit von Dieselabgasen in einem US-Labor an Menschen testen zu lassen. VW stört sich vor allem an diesem Zitat: „Man kommt nicht umhin, [...] an eine andere Reihe von Ereignissen zu denken, bei der Individuen vergast wurden - von einer Person, die tatsächlich bei der Eröffnung des ersten Volkswagen-Werks anwesend war“, sagt Melkersen in der Dokumentation, bevor Adolf Hitler eingeblendet wird.

Empörung über Affenstudie

Zu den zunächst geplanten Versuchen mit Menschen kam es - zumindest bei dieser Studie - letztlich nicht. Die Experimente fanden 2014 mit zehn Affen statt, die vier Stunden lang Dieselabgase inhalieren mussten. Die durch die Netflix-Dokumentation und einen Bericht der „New York Times“ aufgedeckte Studie, die ein von VW, BMW und Daimler finanzierter Lobbyingverein in Auftrag gegeben hatte, sorgte zuletzt für viel Empörung. Hinter den Kulissen kämpft VW seit Monaten darum, die Affenstudie von Gerichtsverhandlungen ausschließen zu lassen.