Korsen fordern mehr Autonomie

Drei Tage vor einem Besuch des französischen Präsidenten Emmanuel Macron auf Korsika haben Tausende Demonstranten in der Inselhauptstadt Ajaccio mehr Eigenständigkeit für ihre Insel gefordert.

An der von nationalistischen Gruppen organisierten Demonstration nahmen gestern bis zu 6.000 Personen teil, wie die örtliche Präfektur mitteilte. Die Organisatoren sprachen nach Angaben der Nachrichtenagentur AFP von 22.000 bis 25.000 Teilnehmern.

Die Nationalisten fordern für die französische Mittelmeerinsel einen Autonomiestatus. Sie waren aus der Regionalwahl im Dezember gestärkt hervorgegangen und wollen nun neue Verhandlungen. Eine vor Resolution des Inselparlaments soll den Druck erhöhen. Unter anderem wollen sie erreichen, dass Korsisch als offizielle Sprache anerkannt wird. Die Abspaltung von Frankreich streben sie nicht an.

Hohe Erwartungen in Macron

Die Demonstration sei nicht gegen die Regierung gerichtet, betonte der Chef des korsischen Exekutivrats, Gilles Simeoni, in einem Interview mit dem TV-Sender France 2. Vielmehr bestehe nun nach viel Unverständnis zum ersten Mal die Chance auf einen „fruchtbaren Dialog“. „Deshalb erwarten wir uns viel vom Besuch des Präsidenten.“

Autonomiebestrebungen gibt es in Korsika seit Jahrzehnten - lange waren sie überschattet von Gewalt. 2014 legte die Korsische Nationale Befreiungsfront FLNC jedoch die Waffen nieder. Etwa zeitgleich gewannen nationalistische Kräfte politisch an Bedeutung.