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Arbeitnehmervertreter stellen sich neu auf

Die Spitze des Österreichischen Gewerkschaftsbunds (ÖGB) und der Arbeiterkammer (AK) formiert sich neu. Für die Nachfolge von ÖGB-Chef Erich Foglar (SPÖ) wurde der Gewerkschafter Wolfgang Katzian (SPÖ) nominiert. Für den sozialdemokratischen AK-Präsident Rudolf Kaske folgt voraussichtlich die bisherige ÖGB-Frauenvorsitzende Renate Anderl (SPÖ).

Die beiden Nachfolger wurden am Dienstag in einer Pressekonferenz der Fraktion sozialdemokratischer Gewerkschafter (FSG) präsentiert. Beide Kandidaten müssen in den jeweiligen Gremien noch gewählt werden. Das gilt angesichts der Mehrheitsverhältnisse aber als so gut wie sicher. Den wichtigen Posten des FSG-Vorsitzenden wird Katzian an den Chef der Produktionsgewerkschaft Pro-Ge, Rainer Wimmer, übergeben. Neue ÖGB-Vizepräsidentin nach Anderl wird Korinna Schumann. Als GPA-Chefin wurde Barbara Teiber designiert.

Anderl zweite Frau an AK-Spitze

Kaske hatte seinen Rücktritt schon im November vergangenen Jahres angekündigt. Die Gründe seien „ausschließlich privat“, seine Ehefrau sei „gesundheitlich mehr als angeschlagen“, begründete Kaske seinen Schritt. Er will sich mit Ende April aus seiner Funktion zurückziehen. Kaske zeigte sich zufrieden mit der Wahl Anderls. Sie sei nach Lore Hostasch die zweite Frau an der Spitze der Arbeiterkammer: „Sie ist meine ausdrückliche Wunschkandidatin. Eine durchsetzungsstarke Persönlichkeit.“

ÖGB-Frauenchefin Renate Anderl, GPA-Vorsitzender Wolfgang Katzian und ÖGB-Präsident Erich Foglar

APA/Georg Hochmuth

Anderl (links) ist als AK-Präsidentin nominiert, Katzian (Mitte) soll ÖGB-Chef werden

Anderl streute dem bisher amtierenden AK-Präsidenten ebenfalls Rosen: „Es sind große Fußstapfen, in die ich trete. Rudolf Kaske war ein engagierter, beliebter und erfolgreicher Präsident.“ Die Entscheidung für ihre Zusage zur Nominierung sei aber rasch gefallen: „Ich bin immer schon dafür eingetreten, dass Frauen in Führungspositionen Chancen erhalten sollen.“ Sie betonte auch, dass AK und ÖGB „Seite an Seite“ für die Interessen der Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen eintreten werden.

Foglar zögerte länger mit Entscheidung

Foglar hatte sich länger bedeckt gehalten, machte am Dienstag nun aber offiziell, dass er beim Bundeskongress des ÖGB im Juni nicht noch einmal als Präsident antreten wolle: „Das ist eine zutiefst persönliche Entscheidung.“ Seine Lebensplanung sehe aber nicht vor, noch eine weitere volle Funktionsperiode zur Verfügung zu stehen. Zunächst hatte Foglar noch versucht, den niederösterreichischen AK- und ÖGB-Chef Markus Wieser in Position zu bringen, konnte sich in der Gewerkschaft damit aber nicht durchsetzen.

Neue Präsidenten von ÖGB und AK präsentiert

Die designierten Nachfolger für die Spitze von ÖGB und AK, Wolfgang Katzian und Renate Anderl, wurden am Dienstag bei einer Pressekonferenz präsentiert.

Stattdessen wurde nun Katzian, bisher mächtiger FSG-Vorsitzender und der Gewerkschaft der Privatangestellten (GPA) als größte Einzelgewerkschaft, vorgeschlagen. Der gelernte Bankkaufmann ist bereits seit 1977 hauptberuflich als Gewerkschafter tätig. „Ich werde alles versuchen, dass die große Geschichte der österreichischen Gewerkschaftsbewegung erfolgreich weitergeht“, sagte Katzian nach seiner Nominierung. Er erwartet auch Herausforderungen aufgrund der neuen Bundesregierung: „Wir werden sehen, wie die Regierung die Gewerkschaften in ihre Veränderungsprozesse miteinbindet.“

Er will aber zunächst einmal auf Dialog setzen: „Ich bin ein Mensch, der den Dialog bevorzugt. Ich gehe nicht zuerst auf die Barrikaden, sondern zum Heurigen.“ Allerdings machte Katzian auch klar, dass es die Gesprächsbereitschaft der Gewerkschaft nicht um jeden Preis geben wird: „Wenn es jemanden gibt, der uns diese Bereitschaft zum Dialog als Schwäche auslegt, werden wir - wenn notwendig - auch in den Widerstand treten.“

Heikler Job für Katzian

Katzians neuer Job gilt in Zeiten einer ÖVP-FPÖ-Regierung als besonders heikel. Zudem sind von ihm auch Reformen zu erwarten, die auch die GPA betreffen könnten. Denn durch die Angleichung der Rechte von Arbeitern und Angestellten wäre eine eigene Gewerkschaft für Angestellte eigentlich hinfällig.

ZIB-Innenpolitik-Redakteur Geier analysiert den Wechsel

Wolfgang Geier aus der Innenpolitikredaktion der ZIB spricht über die neuen Präsidenten des ÖGB und der Arbeiterkammer.

Derzeit wird im ÖGB überlegt, Mehrfachzuständigkeiten von Gewerkschaften in einzelnen Themenbereichen etwa im Verkehr und im Gesundheitswesen zu bereinigen. Katzian hatte schon während der BAWAG-Krise für eine Stärkung der ÖGB-Zentrale bei gleichzeitiger Auflösung der traditionellen Gewerkschaften geworben. Diese radikale Reform wäre allerdings unrealistisch. Im ÖGB könnte aber die Offenheit größer werden, Doppelgleisigkeiten zu beseitigen und Kompetenzen zu verschieben. Am Dienstag ließ Katzian aber offen, ob unter ihm eine Reform der Gewerkschaft zu erwarten ist. Man werde sich die Strukturen anschauen und dann entscheiden, ob diese passen. Es gebe keine Tabus.

Freundlicher Empfang

„Frauenpolitisch von einem guten Tag“ sprach dann auch SPÖ-Frauenchefin Gabriele Heinisch-Hosek. SPÖ-Bundesgeschäftsführer Max Lercher wiederum sieht in Anderl die „beste Wahl für die Arbeiterkammer“. Zufrieden mit den Personalia ist auch Parteichef Christian Kern. Für ihn ist mit Katzian an der ÖGB-Spitze eine „hervorragende und erfahrene Nachfolge“ für Präsident Foglar gefunden worden.

Seitens der Wirtschaftskammer wurde das neue Führungsduo recht freundlich empfangen. Der freilich ebenfalls bald scheidende Kammerpräsident Christoph Leitl (ÖVP) dankte Kaske und Foglar: „Man kann heute schon sagen: Auch wenn uns nicht alles gelungen ist, so haben wir doch einiges für die Österreicher und Österreicherinnen zusammengebracht.“

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