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Rückzug aus privaten Gründen

Nach fünf Jahren an der Spitze der Arbeiterkammer (AK) übergibt Rudolf Kaske (SPÖ) nun im April die Agenden an seine Nachfolgerin Renate Anderl. Die Gründe seien privat. „Ich bin amtsmunter. Aber es gibt Dinge zwischen Himmel und Erde, die haben mit dem beruflichen Leben nichts zu tun.“ Er wolle sich nun seiner Frau widmen, sagte Kaske bei seinem Rücktritt vergangenen November.

Kaske stammt aus einer Arbeiterfamilie aus der Wiener Leopoldstadt. Seine Kochlehre absolvierte er im Wiener Hotel Intercontinental. Seine ersten Schritte in der Arbeitnehmervertretung setzte er als Jugendvertrauensrat. Kaske ist verheiratet und hat zwei Stieftöchter.

Forsches Auftreten

In der damaligen Tourismusgewerkschaft (HGPD) schwang sich Kaske recht jung zum Zentralsekretär auf und war führend in die Kollektivvertragsverhandlungen eingebunden. Sein aktionistisches Talent zeigte sich rasch im Kampf um die Fünftagewoche, etwa als er mit 500 Menschen das Salzburger Sternbräu des ÖVP-Politikers Günter Puttinger „besetzte“, indem man sich einfach an die Tische setzte und beim billigsten Getränk verharrte.

Kaskes forsches Auftreten kam in den eigenen Reihen an. 1995 wurde er Chef der HGPD und blieb das auch bis zu deren Auflösung im Rahmen der vida-Gründung 2006. Bis dahin sollte es Kaske aber noch zu überdurchschnittlicher Bekanntheit für den Vorsitzenden einer Kleinstgewerkschaft bringen.

„Dann brennt die Republik“

Als die Regierung unter Wolfgang Schüssel (ÖVP) 2000 ihre ersten Sozialeinschnitte plante, drohte die Gewerkschaft mit Generalstreik, und Kaske unterstützte das mit markigen Worten: „Unsere Gewerkschaft ist gerüstet. Wenn einmal dieses Arbeitslosenheer marschiert, dann brennt die Republik.“ Heftige Kritik von ÖVP und den Freiheitlichen war die Folge, zurückgerudert ist Kaske nicht.

Dennoch galt Kaske in der Sozialpartnerschaft weniger als Heißsporn denn als einer der pragmatischsten und verlässlichsten Verhandler. Sein Bekanntheitsgrad kam ihm möglicherweise zugute, als es darum ging, den Vorsitz in der vida - einem heterogenen Gewerkschaftsprodukt, das von Eisenbahnern über Piloten bis zu Fußpflegern sehr unterschiedliche Berufsgruppen vereint - zu übernehmen.

Ehemaliger BAWAG-Aufsichtsrat

Denn eigentlich schien damals klar zu sein, dass der oberste Eisenbahner Wilhelm Haberzettl den Vorsitz übernehmen sollte, was er aber überraschenderweise nicht tat. Und so sprang Kaske in die Bresche. Leicht hatte er es in der vida nicht, da die Interessenlagen der in der Gewerkschaft zusammengeführten Berufsgruppen sehr unterschiedlich sind. Im März 2013 übernahm er schließlich die Präsidentschaft der Wiener Arbeiterkammer und des Bundesarbeiterkammer.

Nahezu in Vergessenheit geraten ist inzwischen, dass auch Kaske, von 1989 bis 2006 Mitglied im Aufsichtsrat der ehemaligen Gewerkschaftsbank BAWAG, wie alle anderen nichts von den Malversationen rund um die karibischen Sondergeschäfte der Bank mitbekommen hatte.

Von den Verlusten der Bank aus diesen Sondergeschäften sei der Aufsichtsrat nicht informiert worden. Vielmehr habe der damalige Generaldirektor Helmut Elsner Ende 1998 die Beendigung dieser Flöttl-Geschäfte mitgeteilt, sagte Kaske im Zeugenstand beim BAWAG-Prozess im November 2007. Hätte der Aufsichtsrat damals von den Verlusten gewusst, wäre Elsner wohl entlassen worden und hätte keine Pensionsabfindung erhalten, so Kaske damals.

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