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Für Neuaufstellung des ÖGB

Wolfgang Katzians (SPÖ) Designierung zum ÖGB-Präsidenten bringt mit sich, dass der Gewerkschaftsbund künftig von einem echten politischen Schwergewicht gelenkt wird. Dass der 61-Jährige das Amt übernimmt, ist keine Selbstverständlichkeit.

Denn zumindest bisher waren seine derzeitigen Posten als Chef der Fraktion sozialdemokratischer Gewerkschafter und Vorsitzender der größten Einzelgewerkschaft GPA einflussreicher. Das Amt des ÖGB-Präsidenten gilt in der Gewerkschaftswelt eigentlich mehr als Repräsentationsjob.

Zentrale stärken

Die wahre Macht, so heißt es, läge bei den Vorsitzenden der großen Teilorganisationen wie eben der GPA oder der ehemaligen Metallergewerkschaft Pro-Ge. Katzian wird wohl antreten, das zu ändern. Schon seit einem Jahrzehnt wirbt er für eine Neuaufstellung des Gewerkschaftsbunds mit dem Ziel einer Stärkung der Zentrale.

Dass Katzian sich jetzt für das Amt zur Verfügung stellt, deutet in die Richtung, dass er zumindest die Chance sieht, die überfällige Beseitigung von Doppelgleisigkeiten zwischen den Gewerkschaften zu beenden und damit zu vermeiden, dass weiterhin mehrere Teilorganisationen das selbe Feld beackern.

Macher und Machtmensch

Katzian, persönlich durchaus gewinnend, geht der Ruf des Machers und Machtmenschen voraus, was ihm in der Gewerkschaft naturgemäß nicht nur Freundschaften einbrachte. Bisher zog er die Strippen lieber im Hintergrund, es sollte für ihn aber auch ein Mehr an öffentlichen Auftritten kein Problem sein. Der künftige ÖGB-Chef ist ein ganz guter Redner, bewusst nicht immer im geschliffenen Hochdeutsch, aber deutlich in der Aussage, vor allem wenn es gegen den politischen Gegner geht, gegebenenfalls auch in Richtung der Arbeitgeberseite.

Seine Amtszeit in der GPA, die nun auch schon fast 13 Jahre dauert, kann man durchaus als Erfolgsgeschichte sehen. Die GPA gehört zu den wenigen Teilorganisationen, die in den vergangenen Jahren regelmäßig Mitglieder dazugewinnen konnte. Mit öffentlichkeitswirksamen Aktionen, vor allem gegen Handelskonzerne, ist es auch gelungen, die Marke der Privatangestellten-Gewerkschaft, die angesichts der rechtlichen Gleichstellung von Arbeitern und Angestellten eigentlich ein Anachronismus ist, öffentlich zu verankern.

Gegen Koalition mit FPÖ

Auch wenn Katzian zu allererst Pragmatiker ist, steht er wie die GPA insgesamt am linken Flügel des gewerkschaftlichen Spektrums. Einer Koalition mit der FPÖ steht er, der auch in der Wiener SPÖ nicht ohne Einfluss ist, im Gegensatz zu anderen Spitzengewerkschaftern grundsätzlich ablehnend gegenüber. Auch gesellschaftspolitisch repräsentiert Katzian einen deutlich liberaleren Kurs als im ÖGB üblich. Inhaltlich hat sich der gebürtige Stockerauer im Nationalrat, dem er seit 2006 angehört, vor allem dem Energiesektor gewidmet und war unter anderem Hauptverhandler der SPÖ bei diversen Ökostrom-Novellen.

Fußball, Tennis, Golf

Erfahrung in einem Präsidentenamt konnte Katzian seit einigen Jahren beim Fußballclub Wiener Austria, der ohnehin ein bekanntes Sammelbecken prominenter SPÖ-Funktionäre ist, sammeln. Selbst versuchte sich der künftige ÖGB-Chef als Tennis- und Golfspieler. Essen gehört zu den weiteren Leidenschaften des verheirateten Vaters eines erwachsenen Sohnes, was ihm mit einem seiner ältesten politischen Freunde Alfred Gusenbauer verbindet. Auch einer guten Zigarre ist Katzian nicht abgeneigt.

Seine Avancement zum ÖGB-Präsidenten bedeutet wohl den repräsentativen Abschluss einer typischen Gewerkschafterkarriere. Der gelernte Bankkaufmann hat in der GPA so ziemlich jede Funktion durchlaufen, die verfügbar war - vom Jugendsekretär über den Geschäftsführer bis eben zum Vorsitzenden. Nebenbei verdingte sich Katzian unter anderem auch als stellvertretender Obmann der Wiener Gebietskrankenkasse sowie als Obmann der Pensionsversicherungsanstalt der Angestellten.

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