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Anspruch als Großmacht bekräftigt

Russland und vor allem China fordern einer Studie zufolge zunehmend die militärische Vormachtstellung der USA und ihrer Verbündeten heraus. Insbesondere Peking verfolge sehr ehrgeizige Ziele, wie aus dem Mitte Februar in London vorgestellten Bericht des Internationalen Instituts für Strategische Studien (IISS) zum militärischen Gleichgewicht in der Welt hervorgeht.

Vor dem Hintergrund der Streitigkeiten im Ost- und Südchinesischen Meer rüstet China sein Militär seit Jahren kräftig auf. Gleichzeitig will Peking auch seinen Anspruch als aufsteigende Großmacht unterstreichen. Unter Präsident Xi Jinping verfolgt das Land eine rasche Modernisierung der Streitkräfte.

Militärparade in China

Reuters/China Daily

Soldaten der chinesischen Volksarmee bei einer Parade 2017

US-Monopol bei Tarnkappenjets gefallen

So entwickelte China das Kampfflugzeug Chengdu J-20, eine Maschine mit Tarnkappeneigenschaften. Damit falle die Monopolstellung der USA in diesem Bereich, heißt es in dem Report. Bisher haben nur die Vereinigten Staaten solche Stealth-Flugzeuge selbst gebaut und im Einsatz; sie können mit normalem Radar nicht aufgespürt werden. Zudem verfüge China über eine neue Luft-Luft-Rakete (PL-15), berichtete IISS-Generaldirektor John Chipman weiter.

Militärparade in China

Reuters

Eine Trainingsparade der chinesischen Armee

Auch im Marine-Bereich verfolge Peking ehrgeizige Ziele. Das Land habe seit dem Jahr 2000 mehr Korvetten, Zerstörer, Fregatten und U-Boote gebaut als Japan, Südkorea und Indien zusammen. Die erste Militärbasis Chinas im Ausland wird im ostafrikanischen Dschibuti aufgebaut.

Die Rangliste 2017

Die USA blieben 2017 aber bei den Militärausgaben mit 602,8 Milliarden Dollar (488,77 Mrd. Euro) die unangefochtene Nummer eins. China kommt demgegenüber auf 150,5 Mrd. Dollar (122,03 Mrd. Euro). Dahinter folgen in der IISS-Rangliste auf den übrigen Top-Ten-Plätzen bei den Militärbudgets Saudi-Arabien (76,7 Mrd. Dollar), Russland (61,2) , Indien (52,5), Großbritannien (50,7), Frankreich (48,6), Japan (46,0), Deutschland (41,7) und Südkorea (35,7).

Grafik zu Militärausgaben

Grafik: APA/ORF.at; Quelle: APA/IISS

Höchste Wachstumsrate in Europa

Vor dem Hintergrund, dass US-Präsident Donald Trump die NATO-Partner in Europa aufgerufen hat, mehr für die Verteidigung auszugeben - vereinbart sind zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts eines Mitgliedslandes -, hält das IISS fest, dass sich der seit 2014 bestehende Trend in Europa, die Militärausgaben zu erhöhen, fortgesetzt hat.

2017 stiegen die Militärausgaben in Europa erneut, und zwar um 3,6 Prozent. Das ist die höchste Wachstumsrate unter allen Weltregionen. Europa müsse das Geld aber „klüger ausgeben“, so die Experten des Instituts: „Europas wachsende Investitionen in die Verteidigung sind weiterhin nicht voll darauf ausgerichtet, die europäischen Streitkräfte auf zukünftige Herausforderungen vorzubereiten.“

171 Länder aufgeführt

Die mehrere hundert Seiten umfassende Studie analysiert die militärische Stärke und Rüstungsindustrie von 171 Ländern. Der Report erscheint jedes Jahr. IISS ist neben dem Stockholmer SIPRI-Institut die weltweit führende Einrichtung bei der Beurteilung internationaler Konflikte. Das Institut wurde 1958 in London gegründet und hat inzwischen auch Büros in Washington, Singapur und Bahrain.

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