Erdogan telefoniert mit Putin über Nordsyrien

Die Präsidenten der Türkei und Russlands, Recep Tayyip Erdogan und Wladimir Putin, haben über die militärische Lage im Norden Syriens beraten. In dem Telefonat sei es um die „jüngsten Entwicklungen“ in Afrin und Idlib gegangen, teilte das Präsidialamt in Ankara gestern mit. Beide hätten vereinbart, die Kooperation fortzusetzen.

Zuvor hatten syrische Staatsmedien berichtet, dass die mit Russland verbündete Regierung in Damaskus den Kurden in Afrin gegen die Türkei zu Hilfe kommen wolle. Damit stünden die Türkei und Russland in Nordsyrien auf entgegengesetzten Seiten.

Russland duldete türkische Offensive

Es war zunächst allerdings unklar, ob die syrische Armee oder regierungstreue Milizen nach Afrin geschickt würden. Die Türkei geht dort seit einem Monat mit verbündeten syrischen Rebellen gegen die Kurdenmiliz YPG vor, die sie wegen ihrer engen Verbindungen zur Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) als Terrororganisation betrachtet.

Russland hat diese Offensive geduldet, nachdem es die kurdische Regionalverwaltung in Afrin abgelehnt hatte, die Kontrolle über die Region an Damaskus zu übergeben. Später bat die YPG aber die Zentralregierung in Damaskus um Hilfe gegen die Türkei. Die Entsendung von Regierungstruppen könnte eine entscheidende Wende in dem Konflikt um Afrin bedeuten, wo Damaskus seit 2012 keine Truppen mehr stationiert hat.

Türkei droht Syrien

Zuvor hatte die Türkei schon mit Angriffen auf die syrische Armee gedroht, sollte sie der Kurdenmiliz YPG in Afrin zu Hilfe kommen. Seit dem Beginn der Militäroffensive gegen kurdische Milizen in Nordwestsyrien vor einem Monat wurden insgesamt 786 Menschen in der Türkei wegen „Terrorpropaganda“ festgenommen. 587 davon seien in dem Zeitraum wegen Äußerungen in Sozialen Netzwerken in Gewahrsam genommen worden, teilte das Innenministerium mit. Der Rest sei festgenommen worden, weil sie an Protesten teilgenommen hätten.

Fast 80 Tote bei Angriffen auf Rebellengebiet

Bei neuen Luftangriffen und Artilleriebeschuss auf das syrische Rebellengebiet Ostghuta nahe der Hauptstadt Damaskus sind Aktivisten zufolge mindestens 77 Zivilisten ums Leben gekommen, darunter auch 20 Kinder. Die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit Sitz in Großbritannien meldete zudem etwa 300 Verletzte.

Die Region Ostghuta gehört in dem Bürgerkriegsland zu den letzten Gebieten, die noch unter Kontrolle von Rebellen stehen. Dominiert werden die Regierungsgegner dort von islamistischen Milizen. Das Gebiet ist seit Monaten von Regierungstruppen eingeschlossen. Rund 400.000 Menschen sind dort wegen der Blockade fast vollständig von der Außenwelt abgeschnitten. Helfer berichten von einer dramatischen humanitären Lage. Es fehlt an Nahrung und medizinischer Versorgung.