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Vorstoß von Aleppo nach Afrin

Erste regierungstreue syrische Milizen sind in das von Kurden kontrollierte Gebiet Afrin im Nordwesten des Bürgerkriegslandes eingerückt. Der regierungsnahe Kanal Al-Mayadeen zeigte am Dienstag Bilder, wie mehrere Wagen mit Kämpfern einen Kontrollpunkt passierten. Damit wird ein Abkommen der Kurdenmiliz YPG und der syrischen Regierung umgesetzt. Die Kurden wollen so einen türkischen Angriff stoppen.

Kämpfer der Volksstreitkräfte rückten von Aleppo her Richtung Afrin vor, berichtete ein Militärmedium, das von der Hisbollah-Miliz betrieben wird. Einheiten der libanesischen Hisbollah, die vom Iran unterstützt werden, kämpfen an der Seite der Truppen von Syriens Präsident Baschar al-Assad.

Ein Konvoi mit Hunderten regierungstreuen Kämpfern habe am Nachmittag die kontrollierte Region erreicht, teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit Sitz in Großbritannien mit. Ein Vertreter der Regionalverwaltung sagte am Dienstag, „Volkskräfte“ seien in Afrin eingetroffen. Die Türkei hatte gewarnt, dass auch die syrischen Regierungstruppen angegriffen würden, sollten sie der Kurdenmiliz YPG zu Hilfe kommen.

Syrische Angaben: Türkei bombardiert Afrin

Nach der Entsendung syrischer Kämpfer nach Afrin hat die Türkei das Gebiet nach syrischen Regierungsangaben bombardiert. Das meldete die staatliche syrische Nachrichtenagentur Sana am Dienstag. Auch am Mittwoch wurde der Artilleriebeschuss fortgesetzt, so die Beobachtungsstelle. Dabei seien in der Nacht sechs Menschen verletzt worden, darunter vier Kinder. Nach Angaben der Menschenrechtler flogen türkische Jets in der Früh zudem Luftangriffe.

Journalist Alfred Hackensberger über die Lage in Syrien

Journalist Alfred Hackensberger berichtet aus Syrien über die Lage an Ort und Stelle, die Sorgen der Menschen, die Rolle der US-amerikanischen Soldaten und ein Bündnis zwischen Kurden und syrischen Kräften.

Türkei: Unterstützer von YPG-Miliz „legitime Ziele“

Afrin wird von der YPG beherrscht. Türkische Truppen hatten vor einem Monat eine Offensive auf das Gebiet begonnen. Die Türkei sieht in der YPG den syrischen Ableger der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) und bekämpft sie. Auch warnte die Türkei, dass sie alle Unterstützer der YPG in Afrin als „legitimes Ziel“ betrachten werde.

Der türkische Präsidentensprecher Ibrahim Kalin sagte am Mittwoch, wer die YPG unterstütze, werde genauso wie die „Terrororganisation“ behandelt. Kalin bezog sich damit besonders auf die regierungstreuen syrischen Truppen, die am Vortag versucht hatten, der YPG zu Hilfe zu kommen.

Erdogan kündigt Belagerung an

Die Türkei hatte vor einem Monat eine Offensive auf Afrin begonnen. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte am Dienstag angekündigt, in den kommenden Tagen die Stadt Afrin unter militärische Belagerung zu stellen. „In den kommenden Tagen und sehr viel schneller wird die Belagerung des Stadtzentrums von Afrin beginnen“, hatte Erdogan am Dienstag vor seiner AKP-Fraktion in Ankara gesagt.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan

Reuters/Türkische Präsidentschaft/Murat Cetinmuhurdar

Der türkische Präsident Erdogan kündigt die Belagerung von Afrin an

Zuvor hatten am Montag bereits die syrischen Milizen nach Berichten des staatlichen syrischen Fernsehens erklärt, sie würden helfen, die türkische Offensive in der Region abzuwehren. Erdogan hatte am Montagabend deshalb mit dem russischen Staatschef Wladimir Putin und seinem iranischen Kollegen Hassan Rouhani gesprochen. Erdogan sagte am Dienstag vor Journalisten in Ankara, die Verlegung syrischer Regierungstruppen sei infolge der Gespräche gestoppt worden.

Militäranalytiker Feichtinger mit einer Einschätzung

Militäranalytiker Walter Feichtinger von der Landesverteidigungsakademie beurteilt die Bedrohlichkeit der Situation in Syrien, die militärischen Bündnisse im Konflikt sowie das Eskalationspotenzial.

Kurden: Grünes Licht aus Moskau für Ankara

Die syrischen Kurden hatten unterdessen am Dienstag Russland vorgeworfen, ihr Abkommen mit der syrischen Regierung über die Entsendung von Truppen in den Norden des Landes verhindern zu wollen, so Sulaiman Dschafar, Mitglied im Lokalrat der Region Afrin, am Dienstag. Die Russen hätten ihnen Steine in den Weg gelegt. „Wir haben die zuverlässige Information, dass Russland der Türkei grünes Licht gegeben hat, um alles in Afrin zu zerstören“, sagte Dschafar.

Soldat bei Afrin, Syrien

Reuters/Khalil Ashawi

Die Kämpfe in der Region begannen im Jänner

Indes rief der russische Außenminister Sergej Lawrow Syrien zum Dialog mit den Kurden auf. Die Regierung müsse mit allen ethnischen und konfessionellen Gruppen sprechen, auch mit den Kurden, sagte Lawrow bei einem Besuch in Slowenien am Mittwoch.

Kurden in US-geführter Anti-IS-Koalition

Die YPG ist verbündet mit der US-geführten Koalition gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Nordsyrien. Russland ist in Syriens Bürgerkrieg neben dem Iran der wichtigste Verbündete des Regimes. Die Türkei unterstützt einen Teil der Rebellen, die Freie Syrische Armee (FSA). Im vergangenen Jahr hatten sich die drei Mächte auf Deeskalationszonen in einigen Gebieten des Landes geeinigt.

Seit dem Beginn der Militäroffensive gegen die kurdische Miliz wurden insgesamt 786 Menschen in der Türkei wegen „Terrorpropaganda“ festgenommen. 587 davon seien in dem Zeitraum wegen Äußerungen in Sozialen Netzwerken in Gewahrsam genommen worden, teilte das Innenministerium mit. Der Rest sei festgenommen worden, weil sie an Protesten teilgenommen hätten.

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