Türkei bestellt niederländischen Diplomaten ein

Nach der Anerkennung des Massenmordes an Armeniern im Osmanischen Reich als Völkermord durch das niederländische Parlament hat die Türkei den Geschäftsträger des Landes einbestellt. Er sei wegen der Völkermord-Entscheidung ins Außenministerium nach Ankara gerufen worden, meldete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu heute.

Details waren zunächst nicht bekannt. Ankara hatte die Anerkennung des Völkermordes bereits scharf verurteilt und erklärt, dass die Entscheidung „keine rechtliche Verbindlichkeit und Gültigkeit“ habe.

Abgeordneten stimmten für Anerkennung

Die niederländischen Abgeordneten hatten zuvor mit überwältigender Mehrheit für die Anerkennung des Völkermordes an den Armeniern gestimmt. Die Regierung dagegen wird den Völkermord nicht anerkennen, will aber einen Vertreter zur Gedenkfeier in Eriwan am 24. April entsenden. Der niederländische Geschäftsträger war bereits vergangene Woche wegen des geplanten Völkermord-Beschlusses einbestellt worden.

Die Beziehungen zwischen der Türkei und den Niederlanden sind seit Langem angespannt. Anfang Februar hatten die Niederlande offiziell ihren Botschafter zurückgezogen, der nach holländischen Angaben schon seit März 2017 nicht mehr in die Türkei einreisen konnte.

Türkei lehnt Einstufung als Völkermord ab

Anlass für den Konflikt war die Weigerung der niederländischen Regierung, Wahlkampfauftritten von türkischen Ministern im vergangenen Jahr zuzustimmen.

Schätzungsweise bis zu 1,5 Millionen Armenier waren von 1915 an bei Massakern und Deportationen ums Leben gekommen. Die Türkei als rechtlicher Nachfolger des Osmanischen Reiches bedauert das, lehnt die Einstufung als Völkermord aber strikt ab.