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Trotz scharfer Töne aus Washington

Die Olympischen Winterspiele in Südkorea haben für zumindest leichte Entspannung im Konflikt mit Nordkorea gesorgt, nun ist die Rede von möglichen direkten diplomatischen Kontakten auch zu den USA - auch wenn der Ton aus Washington weiterhin scharf ist.

Südkoreanische Medien berichteten am Samstag von einem möglichen Treffen zwischen dem hochrangigen nordkoreanischen General Kim Yong Chol mit der für Korea zuständigen US-Spitzendiplomatin Allison Hooker. Sie ist Mitglied des Nationalen Sicherheitsrates (NSC) der USA. Hooker sei mit der Delegation der Tochter von US-Präsident Donald Trump, Ivanka Trump, nach Südkorea gereist. Ihr Name sei allerdings auf keiner Delegationsliste gestanden, berichtete am Samstag etwa der „Korea Herald“.

Geheim oder „Last-Minute“-Diplomatie?

Es sei nicht bekannt, ob ihre Reise geheim gehalten werden sollte, oder aber ob sie eine Art „Last-Minute“-Entschluss gewesen sei. Jedenfalls würde der früheren Beamtin des US-Außenministeriums eine „Schlüsselrolle“ für die Vorbereitung eines Dialogs mit Nordkorea zugetraut, schrieb die südkoreanische Tageszeitung. Ivanka Trump führt als „First Daughter“ die US-Delegation für die Abschlussfeier der Winterspiele in Südkorea an.

Für ein bevorstehendes Treffen zwischen Vertretern der USA und Nordkoreas nannten südkoreanische Medien noch weitere Indizien: Hooker und der General würden einander kennen, hieß es. Sie hätten schon 2014 einmal miteinander verhandelt, als es um die Freilassung zweier in Nordkorea inhaftierter US-Amerikaner gegangen sei.

Proteste gegen General

Außerdem fänden sich in der nordkoreanischen Delegation Personen, die für die Beziehungen zu den USA bzw. den Atomstreit zuständig seien, berichtete am Samstag die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap. Pjöngjang schicke selten derart hochrangige Beamte zu rein innerkoreanischen Gesprächen.

Der nordkoreanische General Kim Yong Chol

APA/AFP/Ed Jones

Südkorea macht General Kim Yong Chol für den Torpedobeschuss eines Schiffs verantwortlich

Die nordkoreanische Delegation soll drei Tage lang in Südkorea bleiben und dort Gespräche führen. Doch bereits am Samstag gab es Proteste: Südkoreaner forderten die Todesstrafe für General Kim Yong Chol, der für die Versenkung eines südkoreanischen Schiffs 2010 verantwortlich gemacht wird. Damals starben 46 Menschen. Der General ist Vizevorsitzender des Zentralkomitees der herrschenden Arbeiterpartei. Die Schwester von Machthaber Kim Jong Un, Kim Yo Jong, hatte die Eröffnungszeremonie der diesjährigen Winterspiele besucht.

Trump droht mit „Phase zwei“

Trotz aller Spekulationen auf ein mögliches Tauwetter: Der Ton aus den USA ist weiter scharf. Erst am Samstag warnte US-Präsident Trump Pjöngjang, nachdem er am Freitag neue Sanktionen gegen das Regime von Machthaber Kim Jong Un verhängt hatte, vor einer nicht näher definierten „Phase zwei“ des Konflikts. Das werde „eine sehr raue Angelegenheit werden“ und „sehr, sehr bedauerlich für die Welt sein“. Er denke aber nicht, dass er diese Karte spielen wolle, so Trump. „Wir werden sehen.“ Aber: „Wenn die Sanktionen nicht funktionieren, müssen wir Phase zwei beginnen“, sagte Trump in Washington.

Russland fordert dringend Verhandlungen

Russland forderte Verhandlungen mit Washington. Die aktuelle Lage auf der koreanischen Halbinsel erfordere einen russisch-amerikanischen Dialog, sagte Außenstaatssekretär Igor Morgulow nach einem Bericht der Nachrichtenagentur TASS. Er bekräftigte die russische Einladung an den US-Sondergesandten Joseph Yun. Der Diplomat sprach sich erneut auch für direkte Verhandlungen zwischen den Regierungen in Washington und Pjöngjang aus.

China kritisierte die neuen Sanktionen der USA am Samstagabend scharf. Die USA müssten bestimmte Strafmaßnahmen sofort zurücknehmen, andernfalls könne die Zusammenarbeit beider Länder im Korea-Konflikt Schaden nehmen, teilte das Außenministerium in Peking mit.

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