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Nur relativer Erfolg für Grüne

Glaubt man den Reaktionen der Parteien, so hat die Landtagswahl in Tirol am Sonntag eigentlich nur Gewinner gebracht. Und tatsächlich konnten sich die meisten Parteien freuen, der eine oder andere Makel am eigenen Ergebnis wurde dann hinuntergespielt.

Uneingeschränkt konnte sich die ÖVP freuen: klar stärkste Kraft und mit 44,3 Prozent sogar besser abgeschnitten als von den meisten erwartet. Eine absolute Mehrheit für Landeshauptmann Günther Platter wäre überhaupt eine Sensation gewesen. In nur zwei Gemeinden - in Lienz und Sellrain - ist die Volkspartei nicht stärkste Kraft.

Karte, eingefärbt nach Stimmenmehrheit in Gemeinden bei Landtagswahl 2013 und 2018

Grafik: APA/ORF.at; Quelle: APA

Grüne Erleichterung trotz Verlusten

Fröhliche Gesichter gab es auch bei einer Partei, die zuletzt nicht viel zu lachen hatte - den Grünen. Die sichtlich erleichterte Spitzenkandidatin Ingrid Felipe sprach von einem „Achtungserfolg“. Immerhin sei man im Oktober bei der Nationalratswahl noch bei vier Prozent gelegen. Nun habe man mit 10,7 Prozent das Wahlziel der Zweistelligkeit erreicht.

Allerdings: Das Ergebnis ist fast zwei Prozentpunkte schlechter als 2013. Und in Innsbruck war man damals stärkste Kraft, am Sonntag fielen die Grünen dort nicht nur hinter die ÖVP, sondern auch hinter die SPÖ zurück. Für die im April stattfindende Bürgermeisterwahl müssen die Grünen somit noch einiges mobilisieren, wenn ihr Kandidat Georg Willi tatsächlich Chancen haben soll.

Die Ergebnisse der Grünen

Klubstatus im Parlament weg

Eine Folge des Wahlsonntags wiegt freilich noch viel schwerer, der Verlust des einzigen Bundesratssitzes der Tiroler Grünen. Denn damit verliert die Bundespartei den Klubstatus im Parlament und somit 92.000 Euro pro Quartal an Klubförderung. Die Reaktionen darauf waren erstaunlich gelassen: Grünen-Bundessprecher Werner Kogler meinte, man sei ohnehin nicht davon ausgegangen, dass man ihn halten würde.

Fast nur Gewinner in Tirol

ÖVP, SPÖ und FPÖ konnten bei der Tiroler Landtagswahl Zugewinne erzielen. Einzig die Grünen büßten 1,9 Prozent ein, blieben aber im zweistelligen Bereich.

Was bleibe, sei das Antrags- und Anfragerecht, denn dieses liege bei drei Abgeordneten, merkte Kogler an. Ein zweiter Bundesratssitz könnte allerdings noch bei der Salzburg-Wahl am 22. April verloren gehen. Man müsse nun wie geplant noch vor dem Sommer die Vorhaben zum Wiederaufbau der neuen Bundes-Grünen starten, betonte Kogler.

Was Tirol betrifft, so meinte Kogler, man habe sich auf hohem Niveau halbwegs halten können, auch in der Schwierigkeit des „Juniorpartner-Daseins“. Er gehe davon aus, dass die Grünen bei den Koalitionsverhandlungen „voll im Spiel“ seien.

SPÖ euphorisch über 3,5 Prozentpunkte

Die Tiroler SPÖ feierte ihren Zugewinn von rund dreieinhalb Prozentpunkten regelrecht euphorisch. Spitzenkandidatin Elisabeth Blanik wurde von den Genossen bei der Wahlfeier mit Jubelrufen und Sprechgesängen wie „So sehen Sieger aus “ empfangen. Ein „hervorragendes Ergebnis“ für die Tiroler SPÖ sah auch Bundesparteichef Christian Kern. „Der Aufwärtstrend der Sozialdemokratie setzt sich fort.“

Offenbar freute man sich besonders, den zweiten Platz erobert und die FPÖ damit im Schach gehalten zu haben. Und vor allem im Inntal konnte man in vielen Gemeinden die zweitstärkste Kraft werden - wie die Karte der Zweitplatzierten (bis auf zwei Ausnahmen immer hinter der ÖVP) zeigt.

Die zweitstärkste Partei auf Gemeindeebene

Natürlich ist die SPÖ in Tirol traditionell schwach, 2008 und 2013 stürzte die Partei allerdings besonders stark ab, sodass die leichte Erholung nun umgekehrt gesehen immer noch das drittschlechteste Ergebnis seit 1945 ist. Und die Aussage des Listenzweiten Georg Dornauer über das „25-Prozent-Potenzial der SPÖ“ wurde auch intern nicht besonders ernst genommen.

FPÖ freut sich über Zugewinne

Die FPÖ freute sich über den größten Zugewinn aller Parteien - musste aber hinnehmen, den angepeilten zweiten Platz nicht erreicht zu haben. Spitzenkandidat Markus Abwerzger zeigte sich mit den Zugewinnen seiner Partei „sehr zufrieden“, ein „Wermutstropfen“ sei das Verfehlen von Platz zwei.

Auch dass nur 16 Stimmen auf das sechste Mandat fehlten, trübte bei der Wahlfeier ein bisschen die Stimmung: „Das ist sehr bitter, aber seid nicht traurig“, sagte Abwerzger zu seinen Parteifreunden. Mit dem Ergebnis und einem Plus von 6,2 Prozentpunkten könne man „wirklich zufrieden sein.“

Die Ergebnisse der FPÖ

Auch FPÖ-Bundesparteiobmann und Vizekanzler Heinz-Christian Strache sowie Generalsekretärin Marlene Svazek sprachen von einem „ausgezeichneten“ und „sensationellen" Ergebnis“, beklagten jedoch beide „Schmutzkübelkampagnen“ und „Kampagnisierung“ gegen die FPÖ.

NEOS zufrieden, Liste Fritz wollte mehr

Grund zum Feiern hatten auch NEOS und Liste Fritz. Bei der NEOS-Wahlfeier wurde der erstmalige Einzug in den Landtag gefeiert, das Wahlziel wurde damit erreicht - auch wenn Spitzenkandidat Dominik Oberhofer im Wahlkampf das Potenzial auf bis zu acht Prozent geschätzt hatte. Parteichef Matthias Strolz, der stark in die Wahlkampagne involviert war, zeigte sich in Interviews „zufrieden“.

Bei der Liste Fritz wurde zwar ebenfalls gefeiert, eigentlich hatte man aber eine Verdopplung der Mandate angepeilt - und das gelang klar nicht. „Wir hätten uns mehr verdient gehabt“, sagte Listengründer und Obmann Fritz Dinkhauser zu den errungenen Mandaten. Höchstes Lob und eine Umarmung gab es nach der kurzen Ansprache Dinkhausers für Spitzenkandidatin Andrea Haselwanter-Schneider.

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