Erste Festnahmen nach Journalistenmord in Slowakei

Im Zusammenhang mit dem Mord am Investigativjournalisten Jan Kuciak hat die slowakische Polizei heute den italienischen Unternehmer Antonin Vadala sowie mehrere seiner Familienmitglieder vorläufig festgenommen. Das berichteten slowakische Medien in der Slowakei.

Vadala, dessen Name in der letzten Recherche des Ermordeten in Zusammenhang mit der italienischen Mafia auftaucht, soll als Verdächtiger vorgeführt worden sein und wird demnächst verhört, hieß es es weiter. Der slowakische Polizeipräsident Tibor Gaspar bestätigte im ostslowakischen Michalovce Journalisten gegenüber, die Polizei gehe der „italienischen Spur“ im Fall Kuciak nach.

Seit heute Früh verliefen an fünf Orten in der Ostslowakei umfangreiche Polizeirazzien, durchsucht wurden Immobilien italienischer Unternehmer. Neben Vadala wolle die Polizei laut Gaspar rund zehn weitere Personen, die in den Fall involviert sein könnten, verhören.

Erste politische Konsequenzen

Der Doppelmord an Kuciak und seiner Verlobten hat zunehmend auch politische Konsequenzen. Nach dem Rücktritt von Kulturminister Marek Madaric legten gestern Abend zwei Vertraute des sozialdemokratischen Regierungschefs Robert Fico ihre Funktionen in der Staatsführung auf Eis.

Kuciak hatte über die Verfilzung von Politik und Geschäftemacherei recherchiert und war dabei auf mögliche Verbindungen italienischer Mafia-Clans zu slowakischen Politikern und Regierungsmitarbeitern gestoßen.

Fico-Mitarbeiter mit Mafia-Verbindungen?

„Da unsere Namen zum politischen Kampf gegen den Regierungschef missbraucht werden, haben wir uns entschieden, unsere Posten im Regierungsamt bis zur Aufklärung dieser Tat niederzulegen“, schrieben Ficos Vertraute Maria Troskova und Viliam Jasan in einer Mitteilung an die Medien.

Troskova war bisher Ficos persönliche Assistentin. Der ehemalige sozialdemokratische Abgeordnete Jasan leitete den Sicherheitsrat, der in Krisenfällen Notmaßnahmen koordiniert. Beide hatten direkten Zugang zu geheimen Staatsinformationen. Nach Kuciaks Recherchen sollen sie Mafia-Verbindungen gehabt haben. Sie bestreiten das jedoch.

EU-Kommission aufgeschreckt

Der Mordfall Kuciak hat auch die Europäische Union aufgeschreckt. „Wir schauen uns den Fall jetzt genau an“, sagte EU-Kommissar Günther Oettinger der deutschen „Welt“ (Donnerstag-Ausgabe). Er halte es für möglich, dass EU-Zahlungen an die Agrarwirtschaft „für kriminelle Zwecke missbraucht“ worden seien. „Wir werden in ein paar Wochen Klarheit über die Finanzströme und einen möglichen Missbrauch haben.“