Katalanisches Parlament sucht Puigdemont-Nachfolger

Dieser Artikel ist älter als ein Jahr.

Der katalanische Parlamentspräsident Roger Torrent hat heute mit Vertretern der Parteien über die Wahl eines neuen Regionalpräsidenten beraten. Der bisherige Amtsinhaber Carles Puigdemont hatte am Donnerstag „vorläufig“ auf den Posten verzichtet. Der Politiker war wegen seiner Unabhängigkeitsbestrebungen im vergangenen Oktober von der spanischen Justiz als Regionalpräsident Kataloniens abgesetzt worden und nach Brüssel ins Exil gegangen. Bei einer Rückkehr nach Spanien droht ihm die Festnahme wegen Aufruhrs und Rebellion.

Nachfolgekandidat in U-Haft

Einziger Nachfolgekandidat für Puigdemont war zunächst der von ihm selbst benannte Jordi Sanchez. Der Chef der Katalanischen Nationalversammlung (ANC), einer der einflussreichsten Gruppierungen der Zivilgesellschaft, sitzt derzeit allerdings wegen seiner Beteiligung an den Unabhängigkeitsbestrebungen in spanischer Untersuchungshaft.

Bei der von Madrid angesetzten Parlamentswahl in Katalonien im vergangenen Dezember war die von Puigdemont angeführte Liste Zusammen für Katalonien (JxCat) mit Sanchez auf Platz zwei stärkste Kraft geworden.

Stimmen fehlen

JxCat verfügt im Parlament über 34 Abgeordnete, die zweitstärkste Kraft der Unabhängigkeitsbefürworter, die linksnationalistische Partei Esquerra Republicana de Catalunya (ERC, Republikanische Linke) verfügt über 32 Sitze. Die ebenfalls für Kataloniens Unabhängigkeit von Spanien eintretende Linkspartei CUP mit ihren vier Abgeordneten kündigte an, dass sie sich bei einer Kandidatur Sanchez’ der Stimme enthalten könne.

Die Stimmen von JxCat und ERC würden Sanchez aber knapp reichen - wäre da nicht das Problem, dass Puigdemont und ein anderer im belgischen Exil lebender Abgeordneter, Toni Comin, nicht an der Wahl teilnehmen. Katalonien mit seinen 7,5 Millionen Einwohnern untersteht seit Ende Oktober der direkten Kontrolle Madrids.