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Stärkstes Wachstum seit 2010

Italiens Wirtschaft hat 2017 von der Erholung in anderen Ländern der Euro-Zone profitiert und das stärkste Wachstum seit 2010 verbucht. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) stieg nach Angaben vom Donnerstag um 1,5 Prozent und damit sogar noch etwas stärker als zuvor mit 1,4 Prozent angenommen. Noch immer liegt Italien aber damit deutlich unter dem Durchschnitt der Euro-Länder.

Experten verwiesen jedoch auf die strukturellen Schwierigkeiten, welche das Wachstum in Italien bremsen würden. Drei Tage vor der Parlamentswahl dürften sowohl die Regierung als auch die Opposition die Daten in ihrem Sinne interpretieren.

Unter der Partito Democratico (PD) von Matteo Renzi ließ Italien zwar 2014 die schwerste Rezession seit dem Zweiten Weltkrieg hinter sich. Das Land hinkt aber beim Wachstum hinter den anderen Euro-Staaten hinterher. Die Wirtschaftsleistung ist immer noch sechs Prozent niedriger als vor Ausbruch der Finanzkrise 2008.

Wirtschaft wächst seit vier Jahren wieder

Italiens Wirtschaft war 2014 nach zwei Jahren in der Rezession wieder gewachsen - damals um magere 0,1 Prozent. Im Jahr 2015 stieg das BIP schon um 0,7 Prozent, 2016 dann um 0,9 Prozent. Damit blieb das Land aber unter dem Durchschnitt der Euro-Zone - wie auch 2017. Vergangenes Jahr kletterte das BIP in den Ländern mit der Gemeinschaftswährung um 2,5 Prozent. Für heuer rechnet Italien mit einem Wachstum von 1,5 Prozent. Der Internationale Währungsfonds prognostizierte 1,4 Prozent.

Defizit niedriger als erwartet

Das Defizit konnte Rom im vergangenen Jahr deutlich von 2,5 Prozent auf 1,9 Prozent des BIP zurückfahren, wie ISTAT mitteilte. Die Zahl ist besser als von der Regierung und der EU-Kommission erwartet - sie hatten damit gerechnet, dass es bei 2,1 Prozent der Wirtschaftsleistung liegen wird.

Die Verschuldung allerdings ist weiterhin riesig. Sie betrug im vergangenen Jahr 131,5 Prozent der Wirtschaftsleistung und lag damit nur geringfügig unter dem Wert von 2016 mit 132 Prozent. Nur der langjährige Krisenstaat Griechenland kommt in der Euro-Zone auf höhere Verschuldungswerte.

Armut wächst

Zugleich nahm die Armut in Italien zu. Die Arbeitslosigkeit ist höher als im Euro-Schnitt. Axel D. Angermann, Chefvolkswirt des Investmenthauses Feri, machte unter anderem die historisch gewachsenen Wirtschaftsstrukturen mit vielen Kleinstbetrieben für die Wachstumsschwäche in Italien verantwortlich.

Um die Wirtschaft in Schwung zu bekommen, wären strukturelle Reformen wie der Abbau von Bürokratie nötig. „Die Aussichten, dass eine neue Regierung Reformen in Angriff nimmt und damit das Potenzialwachstum nach oben treiben kann, sind allerdings gering“, schränkte er ein.

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