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Offene Fragen im Fall Skripal

Das englische Salisbury ist derzeit Schauplatz eines mysteriösen Vorfalls: Am Sonntag sind hier zwei Menschen bewusstlos auf einer Bank entdeckt worden. Der Mann und die Frau wurden ins Spital gebracht und befinden sich nun in kritischem Zustand. Die Polizei vermutet, dass die beiden einer unbekannten Substanz ausgesetzt waren. Die Identität des Mannes weist auf einen Fall hin, der weit über die lokalen Grenzen Bedeutung hat.

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Bei dem Mann soll es sich laut der britischen BBC um den 66-jährigen Sergej Skripal handeln. Der frühere hochrangige russische Agent war 2006 wegen Spionage für Großbritannien verurteilt worden. Die Anklage vor dem russischen Militärgericht lautete damals Hochverrat. Skripal habe sich schuldig bekannt und sei zu 13 Jahren Haft verurteilt worden.

Sergej Skripal

APA/AP/Misha Japaridze

Sergej Skripal soll sich in kritischem Zustand befinden (Archivbild)

Vier Jahre später soll er im Rahmen eines Austauschs zwischen Russland und den USA freigekommen sein und seither in Großbritannien leben.

Wiener Agentenaustausch mit „Modelspionin“

Der wohl größte Agentenaustausch seit dem Ende des Kalten Krieges war im Juli 2010 auf dem Flughafen Wien-Schwechat vollzogen worden. Eine US-Maschine brachte zehn enttarnte russischen Spione nach Österreich zum Weiterflug nach Moskau. Unter ihnen war Anna Chapman, die wegen ihres attraktiven Äußeren - und massenhaft veröffentlichten Privatfotos - besonders viel Interesse bei Medien auslöste.

Boulevardblätter auf der ganzen Welt brachten Geschichten über die Geschäftsfrau, die es in den USA als Immobilienmaklerin zu Reichtum gebracht hatte. In ihrer Heimat stieg die rothaarige Fernsehmoderatorin und Modedesignerin zur Prominenten auf. Dafür ließ Russland vier wegen Spionage verurteilte Häftlinge über Wien ausreisen - darunter eben Skripal und den Atomwissenschaftler Igor Sutjagin.

Substanz unklar

Um welche Substanz es sich möglicherweise handelte, war am Montag unklar, so die BBC. Weder Skripal noch die 33-jährige Frau, offenbar ein Familienmitglied, hätten sichtbare äußere Verletzungen gehabt, so die Polizei. In britischen Medien kursierten Gerüchte, es könnte sich um das Schmerzmittel Fentanyl handeln.

Archivbild von Krankenhaus in Salisbury

APA/AP/PA Wire/Tim Ockenden

Die beiden Personen werden im Spital von Salisbury mit Verdacht auf Vergiftung behandelt

Die Behörde sprach von einem „schweren Vorfall“, eine ganze Reihe von Behörden sei eingeschaltet worden. Noch sei nicht klar, ob eine Straftat vorliege. Auf Fernsehbildern waren Einsatzkräfte in Schutzanzügen zu sehen, die den Fundort der Verletzten reinigten. „Wir wollen den Menschen versichern, dass wir Vorfälle dieser Art extrem ernst nehmen“, hieß es in der Mitteilung der Polizei.

In der Nacht auf Dienstag schloss die Polizei im Rahmen der Ermittlungen eine Pizzeria in Salisbury „als Vorsichtsmaßnahme“. Die Behörden schlossen zwar anhand der vorliegenden Informationen eine Gesundheitsgefährdung aus. Dennoch wurde die Öffentlichkeit gebeten, Verdachtsfälle bei plötzlicher Erkrankung umgehend zu melden.

Erinnerung an Litwinenko

Der britische „Guardian“ erinnerte an den Fall Alexander Litwinenko im Jahr 2006. Damals hätten sich die Beziehungen zwischen Großbritannien und Russland deutlich verschlechtert. Litwinenko war an einer Poloniumvergiftung gestorben, nachdem er in einem Londoner Hotel mit dem russischen Agenten Andrej Lugowoi und dem Geschäftsmann Dimitri Kowtun Tee getrunken hatte. Auf dem Sterbebett machte Litwinenko den russischen Präsidenten Wladimir Putin für seinen Tod verantwortlich. Der Kreml hat das zurückgewiesen.

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