Bilderbuch: „Digitale Rockshow“ im Jazzclub

Ein Konzert mit einem Schlagzeugsolo zu beginnen, das ist ein Statement - vor allem in einem Jazzclub: Bilderbuch haben gestern im vollen Wiener Porgy & Bess ein FM4-Überraschungskonzert gegeben und dabei gezeigt, dass Virtuosität und Massentauglichkeit keinen Gegensatz darstellen.

Eine besondere Tournee

Die Show war der zweite Stopp der „5.000“-Tour. Die Tickets wurden exklusiv über FM4 und die Facebook-Seite der Band verlost. Nach dem Headliner-Slot auf dem FM4 Frequency Festival 2017 – als erste österreichische Band überhaupt – haben die Musiker beschlossen, einen Schritt zurückzugehen. Sie spielen aktuell eine „kleine“ (großteils ausverkaufte) Clubtour, die sie durch Österreich und Deutschland führt.

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Damit zurück zum Schlagzeug: Das Besondere an der Tournee sei, dass statt eines echten Drumkits ein E-Schlagzeug zum Einsatz kommt, erklärte Bilderbuch-Sänger Maurice Ernst. So sei der Auftritt im Jazzclub eine „digitale Rockshow“.

FM4-Überraschungskonzert von Bilderbuch

Josef Beyer

Neben der Band beeindruckte auch die Lasershow

An der Intensität, mit der Drummer Philipp Scheibl zu Konzertbeginn bei seinem gut fünfminütigen Solo auf die mit Sensoren ausgestatteten Kunststoffoberflächen drosch, änderte das wenig.

Netflix und der Tod des Megaplex

Was danach folgte, waren eineinhalb Stunden Hits und zwei neue Songs. Bei „Schick Schock“ und „Baba“ sang das Publikum fleißig mit, bei „Bungalow“ und „Maschin“ hätte sich Ernst gar nicht erst die Mühe machen müssen, zum Mikrofon zu greifen, so textsicher waren die Fans.

FM4-Überraschungskonzert von Bilderbuch

Josef Beyer

Die Band spielte zwei - hitverdächtige - neue Songs

Hitverdächtig klangen auch die beiden neuen Stücke. In „Megaplex“ wird der Tod der Großkinoveranstaltungszentren besungen - und ein Schuldiger ausgemacht: Netflix. Der Song dürfte zumindest teilweise autobiografische Elemente aus der Jugend der Bandmitglieder in Kremsmünster enthalten.

Sie haben als Schülerband in Kremsmünster begonnen – inzwischen gehören Bilderbuch zu den erfolgreichsten deutschsprachigen Bands.

„Mr. Refrigerator“, das sowohl am Anfang als auch Ende gespielt wurde, entwickelt weiter, was den Stil der Band seit ihrem Album „Schick Schock“ ausmacht: Funky Gitarren, ein bisschen Hip-Hop, Anklänge an die 80er und ein von Dada angehauchter wienerisch-englischer Refrain zum Mitsingen: „Bussi, Bussi, Shaking Hands“.

Ein Ende für Connaisseure

Als das Publikum nach dem Zugabenblock nicht lockerließ mit den Rufen nach einer Zugabe, gab es am Ende noch ein Schmankerl für Bilderbuch-Connaisseure: „Moonboots“, der „Hidden Track“ auf der „Feinste Seide“-EP von 2013, auf der „Maschin“ enthalten ist und mit der die Band vom Geheimtipp zum Startum aufstieg.