Musikzeitschrift „NME“ stellt Printausgabe ein

Die britische Musikzeitschrift „NME“ („New Musical Express“) stellt nach 66 Jahren ihre Printausgabe ein und erscheint künftig nur noch online. Die letzte Ausgabe erscheint am Freitag. Der wöchentlich erscheinende „NME“ galt lange Zeit als einflussreichste Musikzeitschrift Europas. Das 1952 gegründete Musikmagazin hatte in den 60er Jahren eine Auflage von über 300.000 Stück. Besondere Popularität erreichte die Zeitung auch durch die Publikation der aktuellen Charts auf Basis selbst erhobener Verkaufszahlen.

Immer wieder Probleme

Immer wieder stand die Zeitung knapp vor der Schließung: Schon Anfang der 70er Jahre stürzte die Auflage auf 65.000 ab. Doch immer wieder schaffte es das Blatt, sich mehr oder weniger neu zu erfinden.

In den 1990er Jahren setzte die Zeitschrift mit Grunge und Britpop zu einem Höhenflug an und konnte zumindest kurzfristig Erfolge feiern. Allerdings wurden immer wieder wahllos im Wochentakt britische Bands gehypt - und das oft zu Recht ohne Erfolg.

Neuerfindung als Gratismagazin

Schon zuvor hatte man sich vom Zeitungspapier verabschiedet und versuchte es als Hochglanz-Tabloid. 2000 wurde der Kontrahent „Melody Maker“ übernommen, dem es wirtschaftlich noch schlechter ging. Mit einer sich immer schlechter verkaufenden Indie- und Gitarrenpopszene ging es auch mit dem „NME“ weiter bergab.

2008 versuchte man, auf ein etwas älteres Publikum zu setzen. Als die Auflage schließlich auf 15.000 Stück sank, wechselte man die Strategie: Der „NME“ wurde nicht mehr verkauft, sondern in einer Auflage von 300.000 gratis verteilt. Schon damals hieß es, man sei auf dem Weg in eine digitale Zukunft.

Eigentümerwechsel im Hintergrund

Paul Cheal vom Verlagshaus Time Inc. UK nannte steigende Produktionskosten und einen „sehr harten“ Werbeprintmarkt als Faktoren. Im digitalen Raum will er nun eine „starke Zukunft für die berühmte Marke“ sichern.

Hinter dem Schritt stehen allerdings auch große Verschiebungen der Eigentümer. Ende vergangenen Jahres hatte die Meredith Corporation die Times Inc. In den USA übernommen. Der britische Ableger wurde dann erst vergangene Woche an die Kapitalbeteiligungsfirma Epiris verkauft.