Christian Konrad gründet Allianz für Zivilgesellschaft

Der frühere Flüchtlingskoordinator des Bundes, Christian Konrad, hat mit Mitstreitern eine Allianz gegründet. „Menschen.Würde.Österreich“ soll Initiativen, NGOs und Einzelpersonen, die sich im Integrationsbereich engagieren, mehr öffentliches Gehör verschaffen. Außerdem will man auf die ÖVP-FPÖ-Bundesregierung einwirken, um Pläne noch einmal zu überdenken.

„Es ist kälter geworden in diesem Land“

Vor zweieinhalb Jahren habe die Zivilgesellschaft bei der großen Flüchtlingsbewegung nach und durch Österreich ungeheure Leistungen erbracht, sagte Konrad heute. Inzwischen habe sich die öffentliche Meinung aber gedreht.

„Es ist kälter geworden in diesem Land - und ich meine das nicht auf das Wetter bezogen, sondern auf die Haltung zu den Menschen. Es gibt weniger Humanität“, sagte der ehemalige Raiffeisen-Generalanwalt. Trotzdem gebe es viele Akteure, die sich um Geflüchtete kümmern.

Das sei nicht immer einfach, denn abseits des Gegenwindes der Bevölkerung gebe es lange Asylverfahren, bürokratische Hürden sowie Asylentscheidungen und Abschiebungen, die nicht nachvollziehbar seien, so Konrad. Den Anliegen und Leistungen der vielen kleinen und größeren Initiativen will man nun besser Gehör verschaffen - denn „Einzelkämpfer werden immer wieder entmutigt“.

Faktencheck zu Asylverfahren

Derzeit sammelt „Menschen.Würde.Österreich“ Unterstützungserklärungen - etwa über die Homepage Mwoe.at. Mit an Bord der Initiative sind Ferry Maier, ebenfalls früherer Flüchtlingskoordinator, die Caritas, das Integrationshaus und die Volkshilfe sowie Prominente wie Erika Pluhar.

Das vielfältige Engagement für Flüchtlinge und Asylwerber soll mit Texten, Fotos und Videos dokumentiert und präsentiert werden: „Wir schätzen, dass es rund 500.000 Freiwillige in diesem Bereich gibt.“ Zudem will die Plattform einen Faktencheck in Sachen Asylverfahren durchführen. Maier rief dazu auf, Berichte von langen Verfahren zu melden. Denn dass die Dauer - wie zuletzt von Innenminister Herbert Kickl (FPÖ) berichtet - nur noch 6,6 Monate betrage, bezweifelt er.