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Nur manche Vorwürfe schon vom Tisch

Nicolas Sarkozy hat schon länger einigen Ärger mit der Justiz: Antikorruptionsermittler haben den französischen Ex-Präsidenten Mitte März wegen des Verdachts auf illegale Wahlkampfspenden aus Libyen vernommen - und nun wurde bekannt, dass er wegen einer Bestechungsaffäre vor Gericht gestellt wird.

Der konservative Politiker, der zwischen 2007 und 2012 als „Bling-Bling-Präsident“ von sich reden machte, ist in eine ganze Reihe von Skandalen verwickelt. Ein Überblick über die wichtigsten Vorwürfe:

Die Gaddafi-Gelder

Bereits seit April 2013 gehen Untersuchungsrichter dem Verdacht nach, dass Sarkozys Präsidentschaftswahlkampf 2007 von Libyens damaligem Machthaber Muammar al-Gaddafi mitfinanziert wurde. In Medienberichten ist von rund 50 Millionen Euro die Rede. Noch als Präsident nannte Sarkozy den Verdacht „grotesk“. Im März wurde Sarkozy vorübergehend in Polizeigewahrsam genommen, Antikorruptionsermittler der Justizpolizei vernahmen den 63-Jährigen und leiteten ein formelles Ermittlungsverfahren ein. Er selbst spricht von „Lügen“, „Manipulation“ und „Verleumdung“.

Die Bestechungsaffäre

Auch in einem Korruptionsfall steht Sarkozy ein Prozess bevor: Der Ex-Staatschef soll 2014 versucht haben, einen Staatsanwalt an Frankreichs Oberstem Gerichtshof zu bestechen, um Informationen zum Verlauf eines ihn betreffenden Verfahrens zu erlangen. Im Gegenzug soll Sarkozy dem Staatsanwalt zugesagt haben, ihm einen Posten in Monaco zu besorgen. Abgehörte Telefonate zwischen Sarkozy und seinem Anwalt belasten den Politiker schwer. Das Ermittlungsverfahren läuft seit 2014, jetzt muss Sarkozy deswegen vor ein Gericht.

Die Bygmalion-Affäre

Auch in dieser Affäre um verschleierte Wahlkampfkosten soll sich Sarkozy vor Gericht verantworten, auf einen Prozesstermin wartet man schon seit mehr als einem Jahr. Bei seinem erfolglosen Präsidentschaftswahlkampf gegen Francois Hollande 2012 überschritt Sarkozy nach Erkenntnissen der Ermittler die zulässige Budgetobergrenze von 22,5 Millionen Euro deutlich. Seine konservative Partei soll versucht haben, das durch ein System falscher Rechnungen in Millionenhöhe zu kaschieren. Allein die Eventfirma Bygmalion stellte seiner Partei UMP - die inzwischen Die Republikaner heißt - Rechnungen in Höhe von 18,5 Millionen Euro aus.

In Bettencourt- und Karachi-Affäre entlastet

In mehreren anderen Fällen wurden die Ermittlungen gegen Sarkozy mangels Beweisen eingestellt. Das gilt etwa für die Bettencourt-Affäre: Die Justiz ließ den Vorwurf fallen, der Konservative habe die Schwäche der demenzkranken L’Oreal-Milliardärin Liliane Bettencourt ausgenutzt, um an Geld für seinen Wahlkampf 2007 zu kommen.

Auch der Verdacht, Sarkozy habe als Wahlkampfmanager des konservativen Regierungschefs Edouard Balladur 1995 zwielichtige Finanzquellen angezapft, erhärtete sich nicht. In der Karachi-Affäre ging es um ein U-Boot-Geschäft mit Pakistan.

Die Tapie-Affäre

In der Tapie-Affäre hatte der Unternehmer Bernard Tapie, ein Bekannter Sarkozys, nach einem Schiedsverfahren 2008 insgesamt 403 Millionen Euro staatliche Schadenersatzzahlung zugesprochen bekommen. Das umstrittene Schiedsverfahren hatte Sarkozys damalige Finanzministerin Christine Lagarde, spätere Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), angeordnet. Sie wurde 2016 schuldig gesprochen, Strafe wurde aber keine verhängt. Sarkozy konnte keine Beteiligung nachgewiesen werden. Tapie wurde 2017 dazu verurteilt, die Millionen zurückzuzahlen.

Die Umfrage-Affäre

Unter Verdacht geriet Sarkozy auch, als der Elysee-Palast in den Jahren 2007 bis 2012 ohne ordnungsgemäße öffentliche Ausschreibung eine Reihe von Umfragen in Auftrag gegeben hat. Profitiert haben soll davon insbesondere sein einstiger Berater Patrick Buisson vom äußersten rechten Lager. Sarkozy trennte sich 2014 von Buisson im Streit, als Revanche brachte dieser 2016 ein Enthüllungsbuch auf den Markt, das wenig Schmeichelhaftes über den früheren Chef enthält.