Giftaffäre: Russland weist EU-Diplomaten aus

In der Affäre um den Giftanschlag auf den russischen Ex-Agenten Sergej Skripal hat Russland nun auch Maßnahmen gegen EU-Staaten gesetzt. Moskau wies gestern Diplomaten aus mehreren EU- und europäischen Staaten, etwa aus Deutschland, den Niederlanden, den baltischen Staaten und Norwegen, aus. Zuvor hatten bereits 60 US-Diplomaten das Land verlassen müssen. Unterdessen geht der Schlagabtausch über die Herkunft des bei dem Attentat verwendeten chemischen Kampfstoffs zwischen Russland und Tschechien in die nächste Runde.

Mehr dazu in Reaktion auf Ausweisung von Russen

Washington bietet Ersatz an

Unterdessen bot die US-Regierung Russland an, die aus den USA ausgewiesenen Diplomaten durch andere zu ersetzen. „Die USA haben 48 russische Geheimdienstoffiziere ausgewiesen, aber sie verlangen nicht von der russischen Vertretung, die Gesamtzahl ihres Personals zu reduzieren“, sagte ein Vertreter des US-Außenministeriums der Nachrichtenagentur AFP in Washington.

Die russische Regierung könne frei entscheiden, wen sie auf die frei gewordenen Posten setze, fügte er hinzu. Jedes Ansuchen um Akkreditierung eines Diplomaten werde einzeln geprüft.

Die USA hatten insgesamt 60 russische Diplomaten ausgewiesen, darunter 48 angeblich unter dem Deckmantel der Diplomatie tätige Geheimdienstvertreter sowie zwölf Diplomaten, die bei der UNO in New York akkreditiert sind. Moskau bestreitet, dass es sich bei den 48 Russen um Spione handelt. Sie haben bis zum Montag Zeit, die USA zu verlassen.

Berichte: Aeroflot-Maschine in Heathrow untersucht

Berichten zufolge soll unterdessen eine Maschine der russischen Fluglinie Aeroflot am Londoner Flughafen Heathrow durchsucht worden sein. Die russische Botschaft in London verurteilte die Durchsuchung als „eine weitere offensichtliche Provokation durch die britischen Behörden“ und forderte vom Außenministerium eine Erklärung für den Vorgang, wie die Nachrichtenagentur TASS berichtete.

Britische Grenz- und Zollbeamte hätten das Flugzeug durchsucht, das auf der Strecke Moskau - London - Moskau unterwegs gewesen sei. Den Angaben der Botschaft zufolge hätten sie versucht, das in Abwesenheit der Crew zu tun, was von den Regeln her „kategorisch verboten“ sei, berichtete die TASS.

Erst nach langen Verhandlungen mit einem russischen Botschaftsangehörigen sei es dem Flugkapitän erlaubt worden, der Durchsuchung beizuwohnen. Das britische Außenministerium sagte dem Sender BBC, Zollbeamte hätten ein Flugzeug in London bestiegen, gab aber keine weiteren Details an.