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Atomare Abrüstung für Kim möglich

Vor seinen geplanten Treffen mit den Staatschefs von Südkorea und den USA hat sich Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un bei einem Besuch in Peking die Rückendeckung seines wichtigsten Verbündeten China geholt. Kim habe sich von Sonntag bis Mittwoch in China aufgehalten und dort Gespräche mit Staatschef Xi Jinping geführt, berichteten die amtlichen Nachrichtenagenturen beider Länder.

Kim bekannte sich laut den Angaben unter bestimmten Voraussetzungen zu einer atomwaffenfreien koreanischen Halbinsel. Es war Kims erste Auslandsreise, seit er im Jahr 2011 die Macht in Nordkorea übernommen hatte. Es habe kein Zweifel bestanden, dass ihn diese Reise nach Peking führen müsse, schrieb die nordkoreanische Nachrichtenagentur KCNA.

Kim Jong Un, und seine Frau Ri Sol Ju

APA/AP/CCTV

Zusammen mit seiner Frau hielt sich Kim mehrere Tage in Peking auf

Vielmehr sei der Besuch seine „feierliche Pflicht“ gewesen. Laut KCNA handelte es sich um einen inoffiziellen Besuch, allerdings wurde Kim von seiner Frau Ri Sol Ju und mehreren nordkoreanischen Regierungsvertretern begleitet. Über Kims China-Aufenthalt war wegen eines nordkoreanischen Sonderzugs und erhöhter Sicherheitsvorkehrungen in Teilen Pekings bereits spekuliert worden. Nach Kims Abreise bestätigte China schließlich den Besuch.

„Erhalt von Frieden auf koreanischer Halbinsel“

Schon Kims Vater Kim Jong Il machte 2010 und 2011 ähnliche Geheimbesuche mit dem Zug in China, die erst nach seiner Rückkehr bestätigt wurden. Er fuhr immer mit der Bahn, weil er Angst vorm Fliegen hatte. Das dürfte bei seinem Sohn nicht der Fall sein: Innerhalb Nordkoreas unternimmt er immer wieder Flugreisen.

Staatschef Xi gab laut Agentur Xinhua in Peking ein Bankett für Kim und dessen Frau. Dort habe Kim gesagt, er habe „erfolgreiche Gespräche“ mit Xi zur Entwicklung der beiderseitigen Beziehungen und zum „Erhalt von Frieden und Stabilität auf der koreanischen Halbinsel“ geführt. Kim sagte laut Xinhua überdies, dass er sich „der Denuklearisierung verpflichtet“ fühle. Eine atomwaffenfreie koreanische Halbinsel sei möglich, „wenn Südkorea und die USA mit gutem Willen auf unsere Bemühungen reagieren, eine Atmosphäre des Friedens und der Stabilität schaffen und fortschrittliche und gleichzeitige Maßnahmen für die Umsetzung von Frieden ergreifen“.

Kim Jong Un besucht China

Bei seinem China-Besuch beteuerte Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un, er fühle sich „der Denuklearisierung verpflichtet“ und wünsche sich den „Erhalt von Frieden und Stabilität auf der koreanischen Halbinsel“ .

Zuletzt angespanntes Verhältnis

China ist der wichtigste Verbündete von Nordkorea, das wegen seines Atomwaffen- und Raketenprogramms international isoliert ist. Die beiderseitigen Beziehungen hatten sich zuletzt aber deutlich abgekühlt. So hatte China UNO-Sanktionen gegen Nordkorea mitgetragen. Allerdings kam in den vergangenen Wochen Bewegung in den Atomkonflikt mit Nordkorea: Kim will im April den südkoreanischen Präsidenten Moon Jae In und voraussichtlich im Mai US-Präsident Donald Trump treffen. China schien dabei in eine Nebenrolle gedrängt zu werden. Mit Kims Besuch in Peking gewann die Volksrepublik jedoch wieder an Gewicht.

Polizei am Tiananmen Platz in Peking

APA/AFP/Wang Zhao

Verschärfte Sicherheitsmaßnahmen auch in Peking nährten Gerüchte über den hochrangigen Besuch

Chinas Führung unterrichtete die USA und Südkorea umgehend von dem Besuch. Eine detaillierte Berichterstattung in Richtung Südkoreas werde noch folgen, hieß es aus China. Dabei werde es um die Schaffung einer atomwaffenfreien koreanischen Halbinsel und „weitere Probleme" gehen, teilte ein Sprecher des Präsidialamts in Seoul am Mittwoch mit. Xi werde das für Außenpolitik zuständige Mitglied im Politbüro, Yang Jiechi, am Donnerstag als Sondergesandten nach Südkorea schicken. 

Xi schickt Trump persönliche Nachricht

Peking übermittelte auch eine persönliche Nachricht von Xi an Trump, berichtete die Sprecherin des Weißen Hauses, Sarah Sanders, in Washington. Die jüngsten Entwicklungen seien ein weiterer Beweis dafür, dass Trumps Kampagne des maximalen Drucks eine "angemessene Atmosphäre“ für einen Dialog mit Nordkorea schaffe. Die USA stünden in engem Kontakt mit Südkorea und Japan.

Trump will den Druck auf Nordkorea jedenfalls aufrechterhalten. Die „maximalen Sanktionen“ müssten fortgesetzt werden, so Trump am Mittwoch per Twitter. Es gebe eine „gute Chance“, dass das nordkoreanische Regime seine Atomwaffen aufgebe. Xi habe ihm mitgeteilt, dass die Unterredung „sehr gut“ verlaufen sei und Kim sich bereits auf das Treffen mit Trump freue. Dieses soll spätestens Ende Mai stattfinden.

Xi nimmt Einladung nach Nordkorea an

Kim lud Xi laut KCNA zu einem offiziellen Gegenbesuch in Pjöngjang ein, und das Offert sei „mit Freuden angenommen“ worden. Zuletzt hatte 2005 mit Hu Jintao ein chinesischer Staatschef Nordkorea besucht. Laut Xinhua sagte Xi, die Partnerschaft der beiden Länder sei „eine strategische Entscheidung und die einzig richtige Entscheidung, die beide Seiten auf Grundlage der Geschichte und Realität getroffen haben“.

„Das sollte sich nicht ändern und wird es auch nicht wegen irgendeines einzelnen Ereignisses zu einer bestimmten Zeit“, fügte Xi hinzu. Kim sagte laut KCNA, beide Länder hätten „seit Jahrzehnten in ihren gemeinsamen Kämpfen Leben geopfert und Blut vergossen“. Zugleich bekräftigte er seine Bereitschaft zu einem Dialog mit den USA und zu einem Gipfeltreffen mit Trump.

Analyse: Nordkorea braucht „großen Bruder“

International überschlagen sich derweil die Analysen des Besuchs. Der Herausgeber des US-amerikanischen Newsletters Sinocism China, Bill Bishop, sagte, China sei nicht an einer weitgehenden Vereinbarung zwischen Nordkorea und den USA interessiert, die diese „plötzlich zu großen Freunden macht“.

Deng Yuwen, Experte für Chinas internationale Beziehungen, sagte der Nachrichtenagentur AFP, Nordkorea sei skeptisch, ob Trump ihm die gewünschten Sicherheitsgarantien geben werde. Nach der Ernennung des Hardliners John Bolton zu Trumps Nationalem Sicherheitsberater in der vergangenen Woche sei Kim noch „wachsamer“. Nordkoreas Machthaber brauche daher China als seinen „großen Bruder, um es in einem entscheidenden Moment zu beschützen“.

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