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Charmeoffensive mit Außenwirkung

Am Sonntag und Dienstag sollen in der nordkoreanischen Hauptstadt Pjöngjang rund 160 südkoreanische Popstars auftreten. Das Festival mit dem Namen „Der Frühling kommt“ soll im Vorfeld eines Gipfeltreffens zwischen den beiden Staaten die diplomatische und kulturelle Annäherung zwischen Nord- und Südkorea weiter ankurbeln.

Beobachter sprechen von einem historischen Ereignis. Nicht ohne Grund: Es ist das erste Mal seit über zehn Jahren, dass K-Pop-Stars im nordkoreanischen Nachbarland auftreten. Insgesamt sollen rund 160 Künstler performen. Unter ihnen befinden sich etwa die Girlgroup Red Velvet, die Sängerin Seohyun und das Popurgestein Cho Yong Pil, das seit über 50 Jahren im Geschäft ist. Von ihm soll angeblich auch das Lieblingslied Kim Jong Ils, des Vaters des nordkoreanischen Machthabers Kim Jong Un, stammen.

Auftritte strikt reguliert

Wie etwa der „Economist“ berichtete, sollen im Vorfeld des Konzertes gründliche Vorbereitungen getroffen worden sein. So seien Kostüme, Performance und die Auswahl der Lieder Ergebnisse strikter Verhandlungen gewesen. Immerhin handelt es sich um eine diplomatisch heikle Veranstaltung mit starkem Symbolcharakter - nicht zuletzt, weil der Konsum von Musik aus Südkorea nordkoreanischen Bürgern normalerweise untersagt ist. Wohl auch deswegen verbreitet sie das südkoreanische Militär in der demilitarisierten Zone an der Grenze mittels Lautsprechern.

Red Velvet (Band)

APA/AP/Korea Pool

Red Velvet bei der Ankunft auf dem Flughafen von Pjöngjang

Die Musiker trafen bereits am Samstag in Pjöngjang ein. Mit ihnen flogen auch Regierungsvertreter, ein Taekwondo-Showteam und Journalisten nach Nordkorea. Angeführt wurde die Gruppe von Kultur- und Sportminister Do Jong Hwan. Zusammen mit den Popmusikern wolle er dafür sorgen, dass die ersten Konzerte von Südkoreanern in Pjöngjang seit 13 Jahren ein Erfolg werden, erklärte Kulturminister Do vor dem Abflug. Er hoffe, der innerkoreanische Austausch könne dadurch verstärkt werden.

Experte: Anschein eines „normalen Landes“

Bereits die letzten Konzerte vor über zehn Jahren gestalteten sich als Drahtseilakt - zu sehr verdeutlichen die Popstars den Unterschied zwischen dem modernen, westlichen und kapitalistisch orientierten Südkorea und dem konträr ausgerichteten nördlichen Nachbarn. Dabei sollen unter anderem zu knappe Kostüme von Künstlerinnen für Ärger seitens Nordkorea gesorgt haben. Derartiges soll vermieden werden. Heuer dürfte „nichts unangenehm“ sein, so der Musiker und Organisator Yoon Sang.

Die Konzerte waren auch damals Propaganda. So sei das Publikum damals wohl angewiesen worden, betont unbeeindruckt und emotionslos auf die Künstler zu reagieren, so der südkoreanische Nordkorea-Experte Kang Dong Wan gegenüber der „New York Times“. Ein weiterer Nordkorea-Experte, Jieun Baek von der Universität Oxford, sagte gegenüber der Zeitung, dass Nordkoreas Offenheit für das Konzert nun den Eindruck vermitteln solle, dass es sich bei Nordkorea „um ein normales Land“ handelt.

Veranstaltung für Elite

Die nun kommenden Konzerte dürften laut einem Bericht des Deutschlandfunks jedenfalls eine Veranstaltung für ein handverlesenes Publikum und die Elite des Landes werden. Bei dem Auftritt am Sonntag haben 1.500, bei jenem am Dienstag 2.000 Gäste Platz.

Eigentlich hätte auch der YouTube-Star und Rapper Psy auftreten soll, der mit seinem Hit „Gangnam Style“ 2012 weltweit einen Superhit landete. Südkoreanischen Medienberichten vom Montag zufolge wurde Psy offiziell als Teilnehmer vorgeschlagen, das sei aber im Norden auf wenig Gegenliebe gestoßen. Pjöngjang stört sich offenbar an Auftritten des südkoreanischen Künstlers mit nacktem Oberkörper und seinen Texten, die jede Menge Kraftausdrücke enthalten.

Kultureller Austausch nach Olympia

Mit den Konzerten setzen beide Länder den Kulturaustausch fort, den sie bei den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang im Februar wieder aufgenommen hatten. Nordkorea hatte für das Rahmenprogramm der Spiele unter anderem ein großes Ensemble mit Sängern, Tänzern und Instrumentalisten geschickt. Die 140 Mitglieder des Samjiyon-Orchesters stießen dort auf enormes Interesse.

Cho Yong-pil

APA/AP

Cho Yong Pil gilt als Urgestein des K-Pops

Beide Staaten hatten sich seit Anfang des Jahres nach einer Phase starker Spannungen wegen nordkoreanischer Raketen- und Bombentests wieder angenähert. Südkoreas Präsident Moon Jae In und der nordkoreanische Machthaber Kim Jong Un wollen sich nun am 27. April im Grenzort Panmunjom zum ersten Korea-Gipfel seit elf Jahren treffen. Dabei soll es auch um das nordkoreanische Atomprogramm gehen.

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