Themenüberblick

„Sternschnuppenregen“ blieb aus

Die chinesische Raumstation „Tiangong 1“ hat sich mit ihrem Absturz Zeit gelassen, sie kam in der Nacht auf Montag auch nicht dort vom Himmel, wo sie laut Prognosen hätte sollen. Jedenfalls stürzten die Trümmer des Prototypen in der Nacht auf Montag in den südlichen Pazifik.

Dieser Artikel ist älter als ein Jahr.

Der größte Teil der rund acht Tonnen schweren Raumstation sei beim Eintritt in die Erdatmosphäre verglüht, meldete die chinesische Weltraumbehörde China Manned Space Engineering Office (CMSEO) in Peking. Bis zuletzt war unklar gewesen, wann und wo die ausgediente Raumstation - oder besser ihre Trümmer - auf die Erde stürzen würden. Das prognostizierte Zeitfenster hatte von Freitag bis Montag gereicht. Die Raumstation war in ihrer Umlaufbahn mit rund 27.000 km/h unterwegs.

Kurs bis zuletzt kaum zu berechnen

Kurz vor dem Wiedereintritt in die Atmosphäre hatte das CMSEO noch mitgeteilt, dass die Station über dem Südatlantik abstürzen werde, vor der Küste der brasilianischen Stadt Sao Paulo. Unmittelbar danach ging „Tiangong 1“ dann gegen 2.15 Uhr (MESZ) mitten über dem Südpazifik in den Sturzflug. Das US-Militär bestätigte, dass die chinesische Raumstation über dem Pazifik in die Erdatmosphäre eingetreten sei.

Die Raumstation Tiangong-1

APA/AFP/Jiuquan Space Centre

2016 quittierte der Prototyp (Aufnahme von 2012) seinen Dienst

China, das ein ehrgeiziges Raumfahrtprogramm unterhält, hatte „Tiangong 1“ („Himmelspalast“) im September 2011 ins Weltall geschossen. Auf dem Außenposten im All koppelten mehrere bemannte und unbemannte Raumschiffe an, seit 2013 allerdings hat kein Taikonaut mehr die Raumstation betreten. Danach geriet der Prototyp außer Kontrolle. Im März 2016 brach schließlich der Funkkontakt ab - das acht Tonnen schwere Raumlabor ließ sich nicht mehr steuern und auch nicht mehr kontrolliert in die Erdatmosphäre manövrieren.

China hat ehrgeizige Pläne im All

Im September 2016 schickte China den Nachfolger „Tiangong 2“ ins All. Bis 2022 soll daraus eine große, ständig bemannte Raumstation - vergleichbar mit der Internationalen Raumstation (ISS) entstehen. China betreibt Weltraumforschung mit großem Eifer und betrachtet die Präsenz im All neben den USA und Russland auch als Teil seiner Supermachtrolle. Die Volksrepublik hatte erst 2001 begonnen, Versuchstiere in den Weltraum zu schicken, 2003 flog der erste Mensch von China aus ins All.

Weltweite Spannung

Die Raumfahrtbehörden weltweit hatten den Sinkflug von „Tiangong 1“ genau verfolgt. Die Experten versicherten mehrfach, dass für Menschen keine Gefahr bestehe. Die Europäische Raumfahrtagentur (ESA) erklärte, die Wahrscheinlichkeit, von einem Teil getroffen zu werden, sei in etwa so hoch wie die, innerhalb eines Jahres zweimal vom Blitz getroffen zu werden. Pro Jahr würden 70 bis 80 Tonnen Schrott „unkontrolliert“ vom Himmel fallen.

Bereits vor einigen Tagen hatte die chinesische Raumfahrtbehörde beteuert, niemand müsse befürchten, dass die Station „wie in einem Science-Fiction-Film wild auf die Erde stürzen wird“. Vielmehr werde sie sich in einen „prächtigen Sternschnuppenregen verwandeln, der durch den sternenklaren Himmel zur Erde braust“. Diese Hoffnungen erfüllten sich allerdings nicht.

Die Raumstation sei vor dem Sturz in den weitgehend menschenleeren Pazifik bei Tageslicht über die nordkoreanische Hauptstadt Pjöngjang und die japanische Stadt Kyoto hinweggerast, sagte der US-Experte Jonathan McDowell. „Es wäre für die Leute toll gewesen, den Absturz beobachten zu können, aber es wird noch weitere Wiedereintritte geben“, fügte der Astronom vom Harvard-Smithsonian-Zentrum für Astrophysik (CFA) in Cambridge (USA) hinzu.

Gefahr und Wahrscheinlichkeit

Erst einmal, 1997, sei ein Mensch tatsächlich von einem Stück Weltraumschrott getroffen worden, hatte kürzlich der britische „Guardian“ berichtet. Es handelte sich wahrscheinlich um einen kleinen Rest einer US-Rakete vom Typ „Delta“. Die betroffene Frau sei unverletzt geblieben. Was seine Größe betrifft, lag „Tiangong 1“ an 50. Stelle der bisher abgestürzten Raumfahrzeuge oder Satelliten. Die größte sei das 77 Tonnen schwere US-„Skylab“ 1979. Die Trümmer gingen über Westaustralien nieder, schrieb die britische Tageszeitung.

Der „Friedhof der Raumschiffe“

Meist landeten ausgediente Satelliten ohnehin weit weg von bewohnten Gebieten irgendwo im Ozean. Oft besteht während eines Absturzes - der dann kontrolliert erfolgt - auch noch Kontakt zu ihnen. Dann ist auch eine Einflussnahme möglich. Ein Fleck von 1.500 Quadratkilometern mitten im südlichen Pazifik zwischen Australien, Neuseeland und Südamerika gelte als „Friedhof der Raumschiffe“, hieß es in einem BBC-Bericht letzte Woche. Die Reste von rund 260 Raumfahrzeugen und Satelliten dürften dort auf dem Meeresboden liegen.

Links: