Schlagabtausch bei OPCW-Sondersitzung zum Fall Skripal

Bei ihrer ersten direkten Konfrontation im Fall des Nervengiftanschlags auf den früheren Doppelspion Sergej Skripal sind Großbritannien und Russland heftig aneinander geraten. Der Streit stand heute im Mittelpunkt einer Sondersitzung des Exekutivrats der Organisation für ein Verbot der Chemiewaffen (OPCW) in Den Haag, die Russland beantragt hatte.

Vorschlag Russlands „pervers“

Großbritannien beharrte auf seiner Einschätzung, dass Moskau für die Attacke verantwortlich sei, und bezeichnete den Vorschlag Russlands zu gemeinsamen Ermittlungen als „pervers“. Das sei ein Ablenkungsmanöver Moskaus, um Fragen auszuweichen, twitterte die britische OPCW-Delegation. Die EU-Staaten wiesen Vorhaltungen Russlands gegen den Westen als „total unakzeptabel“ zurück.

Vertreter westlicher Staaten unterstrichen in Den Haag ihre Unterstützung für Großbritannien. „Die EU weist Unterstellungen Russlands gegen Mitgliedsstaaten zurück“, twitterte die kanadische Botschafterin Sabine Nolke aus der Sitzung, für die auf Antrag von Russland strengste Geheimhaltung galt.

Dagegen wollten nach Angaben russischer Diplomaten 14 Mitglieder des OPCW-Rates Moskaus Position unterstützen. Dem Exekutivrat gehören Diplomaten aus 41 Staaten an, darunter Großbritannien, Russland, die USA und auch Deutschland.

„Groteske Provokation“

Der Chef des russischen Auslandsgeheimdiensts, Sergej Naryschkin, bezeichnete den Giftanschlag unterdessen als „groteske Provokation“ der Geheimdienste Großbritanniens und der USA. Ein Teil der europäischen Staaten habe jedoch keine Bedenken, London und Washington, „ohne mit der Wimper zu zucken, zu folgen“, sagte der Geheimdienstchef heute während einer internationalen Sicherheitskonferenz in Moskau.

Herkunft des Gifts bleibt rätselhaft

Die russische Herkunft des Nervengifts ist nicht eindeutig nachweisbar. Das teilte das britische Militärlabor Porton Down gestern mit.

Mehr dazu in Anwendung von Nowitschok bestätigt

Der Sprecher des russischen Präsidenten Wladimir Putin sagte daraufhin, dass der Westen sich bei Moskau auf irgendeine Weise entschuldigen müsse. Putin betonte heute aber, nicht auf eine Entschuldigung Londons zu warten: „Wir warten auf nichts. Wir wollen, dass der gesunde Menschenverstand am Ende triumphiert und die internationalen Beziehungen keinen Schaden nehmen.“