Zweiter Cosby-Prozess gestartet

Verzögert durch einen Zwischenfall mit einer Demonstrantin und Zweifeln an der Jury hat gestern die Neuauflage des Strafprozesses gegen den US-Entertainer Bill Cosby (80) wegen sexueller Nötigung begonnen.

Richter Steven O’Neill informierte am Nachmittag (Ortszeit) zunächst die Jury über ihre Pflichten, dann gab Staatsanwalt Kevin Steele seine Auftakterklärung ab. Die Auftakterklärung der Verteidigung wurde auf heute verschoben.

Zwischenfall auf Weg zu Gericht

Ursprünglich hatte der Prozess bereits in der Früh starten sollen. Der Richter entschied jedoch, sich zunächst mit einem Einwand der Verteidigung zum Zweifel an der Unabhängigkeit eines Jurors zu beschäftigen. Dieser habe ausgeräumt werden können, sagte der Richter danach.

Zuvor war es auf Cosbys Weg zum Gericht zu einem Zwischenfall gekommen. Eine halbnackte Frau sprang Cosby vor dem Gerichtsgebäude in den Weg und schrie „Mister Cosby, Vergewaltiger“. Das Wort „Vergewaltiger“ (Rapist) hatte sie sich auch in roter Farbe auf den nackten Oberkörper geschrieben. Kurz darauf wurde sie von der Polizei überwältigt, festgenommen und abgeführt. Cosby musste umkehren und warten, bis sich die Lage beruhigt hatte.

Erster Prozess geplatzt

Ein erster Prozess war vor rund zehn Monaten geplatzt, weil die Jury sich auch nach tagelangen Beratungen nicht auf ein Urteil hatte einigen können. Für den zweiten Prozess gibt es nun eine neue Jury, außerdem hat Cosby neue Verteidiger. Bei einer Verurteilung könnte ihm eine lange Haftstrafe drohen.

Auch bei der Neuauflage des Prozesses geht es um die Frage, ob Cosby Andrea Constand an einem Abend im Jahr 2004 sexuell missbrauchte. Der Entertainer, der in den 1980er Jahren mit der „Bill Cosby Show“ weltberühmt geworden war, weist die Anschuldigungen zurück.