Mehrere Tote nach Taliban-Angriffen in Afghanistan

Bei einer Serie von Angriffen der radikalislamischen Taliban in fünf Provinzen Afghanistans sind in der Nacht auf heute mindestens 24 Menschen getötet worden. Allein in der heftig umkämpften Nordprovinz Kunduz seien bei Überfällen auf mehrere Sicherheitsposten mindestens zwölf Soldaten ums Leben gekommen, sagte Provinzratsmitglied Ghulam Rabbani Rabbani.

In der westafghanischen Provinz Fariab starben bei einem Angriff auf ein Dorf unter der Leitung eines erbitterten Feindes der Taliban neun, möglicherweise zehn Männer, wie Provinzratsmitglieder sagten. In der Nordprovinz Baghlan töteten Taliban bei Überfällen auf Sicherheitsposten mindestens zwei Soldaten.

In der ostafghanischen Provinz Logar erschossen sie nach offiziellen Angaben den stellvertretenden Gouverneur. In Parwan nahe Kabul gab es schwere Gefechte. Opferzahlen waren zunächst nicht verfügbar.

Taliban verkündeten „Sommeroffensive“

Die Angriffe begannen nur Stunden, nachdem die Taliban gestern ihre neue „Sommeroffensive“ verkündet hatten, in der sie sich angeblich vor allem auf die „Besatzertruppen“ der USA konzentrieren wollen. Die Ankündigung lag Wochen hinter dem üblichen Beginn solcher Offensiven.

Offenbar wollten die Taliban Zeit vergehen lassen nach einem in der Bevölkerung mit großer Hoffnung aufgenommenen Friedensangebot an die Taliban von Präsident Ashraf Ghani im Februar. Die Taliban hatten auf das Angebot bisher nur inoffiziell und negativ reagiert.

Die USA hatten in der Nacht die Verkündung der neuen Kampfsaison scharf kritisiert. Angesichts Präsident Ghanis „historischer Einladung“ zum Frieden gebe es dafür keine Rechtfertigung, sagte der amtierende Außenminister John J. Sullivan in einer Presseerklärung. Die Lage in Afghanistan wird morgen Thema bei einem NATO-Außenministertreffen in Brüssel sein.