Palmölbann: „EU“ als Schimpfwort in Malaysia

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Der Antrag des EU-Parlaments, den Gebrauch von Palmöl in Biotreibstoffen künftig europaweit zu verbieten, sorgt in Malaysia für Empörung. Laut eim aktuellen Bericht der britischen Zeitung „The Guardian“ ist das Wort EU, das vielen kleinen Palmölbauern zuvor kaum bekannt war, nun zu einem Schimpfwort geworden.

Wird der Antrag des EU-Parlaments von der EU-Kommission aufgegriffen, hätte das laut „The Guardian“ verheerende Folgen für die rund 650.000 kleinen Palmölfarmer.

Umwelt-NGOs machen seit Jahren Druck, den ständig wachsenden Palmölbedarf in der EU und China einzuschränken. Ihnen zufolge führte die Nachfrage zu massiven Regenwaldrodungen in Indonesien und Malaysia durch die Regierungen und große Konzerne. Mehrere Tierarten befänden sich bereits vor dem Aussterben.

Maßnahme gegen Armut

Die kleinen Palmölfarmer sind in Malaysia für rund 40 Prozent der Produktion verantwortlich. Palmöl ist eines der wichtigsten Exportgüter des Landes. Die Farmer verstehen laut „The Guardian“ auch den Vorwurf der Umweltschutzorganisationen nicht. Als Maßnahme gegen Armut erhielten sie in den 1980er Jahren von der Regierung je rund 40.000 Quadratmeter Land, um Palmölplantagen anzulegen, sind aber nicht am Landraub und den Rodungen beteiligt, die Auslöser für die Initiative des EU-Parlaments waren.

Die EU ist Malaysias drittgrößter Palmölabnehmer. Die mit Abstand größte Menge wird zur Produktion von Biotreibstoffen verwendet. Malaysische Hersteller befürchten laut „The Guardian“ aber, dass Palmöl in Europa in der Folge generell verboten werden könnte.

Für Malaysia eine Form von Apartheid

In Brüssel wird im Hintergrund seit Monaten heftig von beiden Seiten - Proponenten wie Gegnern des Verbots - lobbyiert. Die malaysische Regierung spricht sogar von „Crop Apartheid“, da durch die Regelung palmölproduzierende Staaten diskriminiert würden. Kritiker des Verbots warnen zudem davor, dass es für Europa dadurch schwerer werde, Handelsabkommen mit Staaten in Südostasien zu schließen.