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Gute Chancen für Cesar Sampson

Mit einer sehr stillen, sehr stimmungsvollen Ballade hat Salvador Sobral letztes Jahr in Kiew den Eurovision Song Contest für Portugal gewonnen und damit nach Lissabon geholt. Dort wird es diese Woche deutlich bunter, schriller und lauter, wenn 43 Länder um den Sieg singen. Der Song Contest wird heuer jedenfalls seinem Ruf als entgrenztes Spektakel wieder mehr als gerecht.

Der Österreicher Cesar Sampson muss gleich am Dienstag im ersten Halbfinale mit „Nobody but You“ um eines von zehn Finaltickets singen. Aus beiden Halbfinale steigen je zehn Länder auf und treffen im Finale auf die fünf Großzahler Deutschland, Frankreich, Italien, Großbritannien und Spanien sowie Gastgeber Portugal. Insgesamt werden also wieder 26 Kandidaten im Finale am Samstag vertreten sein.

Cesar Sampson

Eurovision/Andres Putting

Sampson geht in Grau und Silber ins Rennen

Für Sampson stehen die Chancen auf den Finaleinzug nicht schlecht. Geht es nach den aktuellen Quoten der Buchmacher müsste ihm der Aufstieg sicher sein. Auch die Experten an Ort und Stelle zeigten sich vom Song angetan. Lediglich die Performance weckte bei den Proben den Wunsch nach ein wenig Entschleunigung.

Cesar Sampsons mit „Nobody but You“

Sampson tritt bereits am Dienstag im ersten Halbfinale an. Ihm werden gute Chancen auf den Finaleinzug eingeräumt.

Israel sticht heraus

Ebenfalls im ersten Halbfinale kommt die absolute Favoritin des heurigen Bewerbs an die Reihe. Die 25-jährige Netta aus Israel hat es seit ihrer Nominierung geschafft, die internationale Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Mit buntem Pop und genauso bunten Outfits sticht ihr Song „Toy“ heraus. Im Original lebt die Nummer von Loop-Box-Effekten - weil solche Hilfsmittel aber nicht dem Reglement entsprechen, müssen in Lissabon die Backgroundsängerinnen aushelfen. Dass sie sich im Zuge der „#MeToo“-Debatte im Song für Frauen starkmacht, sollte ihr auch den einen oder anderen Punkt bringen.

Netta

Eurovision/Andres Putting

Netta aus Israel als imposante Erscheinung

Der Mann mit der Geige ist wieder da

Zum größten Gegner im Finale könnte ein alter Bekannter der Song-Contest-Fans werden: Alexander Rybak aus Norwegen. Er hat 2009 schon einmal gewonnen - mit dem bisher größten Punktevorsprung in der Geschichte des Bewerbs. An „Fairytale“, den Song von damals, kann man sich wahrscheinlich nicht erinnern, aber er war das damals mit dem weißen Hemd und der Geige. Die kommt auch diesmal wieder zum Einsatz, wenn er mit offenbar ausgeprägtem Selbstbewusstsein seiner Konkurrenz mit „That’s How You Write a Song“ Nachhilfe gibt.

Alexander Rybak

Eurovision/Thomas Hanses

Rybak mit Sprungeinlage

Ein bekanntes Gesicht vertritt auch die Niederlande. Waylon nahm 2014 gemeinsam mit Ilse DeLange als The Common Linnets teil und musste sich nur Conchita Wurst geschlagen geben. Seine Geige ist sein Hut und mit „Outlaw in ’Em“ schlägt er rockigere Country-Töne an.

Die soziale Botschaft kommt aus Frankreich

Zum Favoritenkreis zählt heuer auch wieder einmal Frankreich. Das französische Duo Madame Monsieur besingt in „Mercy“, beruhend auf einer wahren Geschichte, das Schicksal eines nigerianischen Mädchens, das auf dem Rettungsschiff „Aquarius“ im Mittelmeer geboren wurde.

Ebenfalls hoch gelobt wird der Beitrag Estlands. Elina Nechayeva übernimmt mit „La Forza“ heuer die ehrenwerte Aufgabe, ein bisschen klassisches Flair in die Halle zu bringen. Ob sich das Publikum von der italienisch geschmetterte Arie der Koloratursopranistin begeistern lässt, wird sich zeigen.

Internationale Härte

Auf der anderen Seite des musikalischen Spektrums steht etwa die ungarische Härte in Form der Hardcore-Band AWS. Überhaupt scheint der Song Contest heuer rockiger als sonst. Für Albanien probiert es Eugent Bushpepa mit „Mall“ mit härteren Klängen, „Goodbye“ der rumänischen Band The Humans ist so etwas wie eine Ballade im Schlafrock.

Zumindest optisch martialisch und weit chancenreicher sind Equinox aus Bulgarien. Die extra für den Song Contest gegründete Formation ist, wenn es so etwas gibt, eine bulgarische Supergroup mit bekannten Mitgliedern. Und der Song „Bones“ stammt aus derselben Musikschmiede wie der heimische Beitrag.

Equinox

Eurovision/Andres Putting

Das bulgarische Quintett Equinox

Zoe goes San Marino

Noch zwei weitere Österreich-Bezüge gibt es heuer, darunter ausgerechnet der Beitrag von San Marino. Bisher fest in der Hand von Ralph Siegel ging man dort andere Wege und schrieb die Song-Suche international aus. In einem relativ undurchschaubaren Prozedere wurde dann die Gewinnerin gekürt. Mit dabei jedenfalls Österreichs Song-Contest-Vertreterin von 2016, Zoe Straub, und ihr Vater Christof.

Diese fuhren mit elf Kandidaten dann auch auf ein Song-Schreibe-Camp nach Österreich und waren an der Entstehung fast aller Titel mitbeteiligt. Zoe saß zudem in der Jury und wählte die Malteserin Jessika Muscat, die mit Hilfe der deutschen Rapperin Jenifer Brening die Nummer „Who We Are“ zum Besten geben wird.

Deutschland will Negativserie beenden

Der tschechische Teilnehmer Mikolas Josef lebt in Wien, sein durchaus moderner Dancetrack „Lie to Me“ mit einer Trompete in der zweiten Hauptrolle wird in den einschlägigen Song-Contest-Blogs recht hoch gelobt.

Deutschland will heuer nach zwei letzten und einem vorletzten Platz in Folge die Negativserie beenden und schickt heuer Michael Schulte ins Rennen. Der 27 Jahre alte Norddeutsche gewann die Vorausscheidung mit dem seinem toten Vater gewidmeten Song You Let Me Walk Alone" - wohl auch, weil der über YouTube bekannt gewordene Sänger optisch ein wenig, der Song relativ deutlich an den britischen Popstar Ed Sheeran erinnert.

„Intime“ Schiffsbühne ohne Video-Overkill

Ein Bruch mit den Traditionen der letzten Jahre gibt es bei der Bühne. Nach einigen Jahren an technischer Leistungsschau verspricht der deutsche Bühnendesigner Florian Wieder heuer dem Publikum in der Halle - und in die passen immerhin rund 20.000 Menschen - eine „intimere“ Atmosphäre. Zum Motto „All Aboard“ („Alle an Bord“) passend sei die Grundstruktur des Bühnenaufbaus einem Schiffsskelett nachempfunden. Auf die in den letzten Jahren dominierende LED-Technik mit Videoanimationen wird heuer gleich komplett verzichtet - was, wie schon die Proben zeigten, den Wettbewerb ästhetisch deutlich verändern wird.

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