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Große Visionen in den Weiten des Alls

War das Rennen ins Weltall früher Staaten und ihren Raumfahrtprogrammen vorbehalten, so sind es jetzt private Milliardäre, die sich gegenseitig überbieten wollen. Im Mittelpunkt stehen seit einigen Jahren zwei der bekanntesten und reichsten Männer der Welt: Tesla-Chef Elon Musk und Amazon-Gründer Jeff Bezos.

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In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts galt die Raumfahrt als eine der größten Herausforderungen der Menschheit: Im Kalten Krieg ritterten die USA und die UdSSR mit allen Kräften um die Vorherrschaft, die Sowjets schossen mit Juri Gagarin den ersten Menschen ins All, den Amerikanern gelang Jahre später die Mondlandung.

Weniger Staat, mehr privat

Doch dann folgten Rückschläge in den Raumfahrtprogrammen, die gewonnenen Erkenntnisse schienen mit den enormen Kosten nur bedingt mithalten zu können, und der Fortschrittsglaube an sich erhielt Dämpfer. Das All verlor zunehmend seinen Reiz - zumindest für staatliche Programme. Dass nun superreiche Privatleute dieses Match fortsetzen, kann bereits als Metapher für die Entwicklung von Politik und Gesellschaft in den vergangenen Jahrzehnten gesehen werden.

Im Rennen zwischen Musk und Bezos konnte zuletzt der Amazon-Chef punkten: Eine New-Shepard-Rakete seines Raumfahrtunternehmens Blue Origin startete am Sonntag vom Textgelände in Texas, erreichte die angepeilte Höhe von 107 Kilometern und landete vor allem wieder sicher auf der Erde.

In der gut zehnminütigen Flugzeit wurden einige Experimente durchgeführt, an Bord befand sich zudem die Puppe „Mannequin Skywalker“, die Testdaten dafür sammelte, dass sie bald durch reale Menschen ersetzt wird. Noch heuer will Blue Origin Menschen auf die Reise schicken, schon ab 2019 sollen auch zahlende Gäste an den Rand des Alls gebracht werden.

Jeff Bezos

AP/Dennis Van Tine/MediaPunch/IPX

Jeff Bezos

„Das Wichtigste, was ich mache“

Bezos meint es mit seinen Weltraumplänen ernst: Er glaubt, dass sein wichtigstes Vermächtnis die Milliardeninvestitionen zur Erforschung des Weltraums sein werden. Blue Origin sei „das Wichtigste, was ich mache“, sagte Bezos kürzlich bei einem Besuch in Deutschland. Er denke, dass die Erschließung des Sonnensystems unter anderem nötig sei, um künftige Energiekrisen zu verhindern.

Außerdem werde die Menschheit irgendwann die Schwerindustrie von der Erde wegverlagern. Bezos betonte, die einzige angemessene Verwendung für seinen Reichtum - „den Lottogewinn mit Amazon“ - sehe er in Weltraumreisen. „Blue Origin ist teuer genug, um dieses Vermögen aufzubrauchen.“

SpaceX mit Landungsproblemen

Da gab es bei Musks SpaceX immer wieder Probleme. Auch beim Jungfernflug der Großrakete „Falcon Heavy“ im Februar verlief nicht alles nach Plan: Zwar hob die Rakete mit Musks privatem Tesla-Elektro-Cabriolet als Testladung an Bord ordnungsgemäß ab und erreichte auch ihr Ziel - allerdings landeten nur die beiden äußeren Antriebsraketen wieder sicher auf der Erde.

Tesla Auto im Weltraum

APA/AP/SpaceX

Der Tesla Roadster an Bord der „Falcon Heavy“

Der zentrale dritte Antrieb verpasste aber die eingerichtete Schwimmplattform und stürzte ins Wasser des Atlantiks. Eine sichere Landung ist mehr als wichtig: Die Wiederverwendbarkeit der ersten Zündstufe macht den Raumtransport verhältnismäßig preisgünstig.

Erste Wissenschaftsmission im NASA-Auftrag

Mitte April lief es dann für SpaceX deutlich besser: Vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral im US-Bundesstaat Florida startete eine Falcon-9-Rakete mit dem Weltraumteleskop „Tess“ zur Planetensuche ins All. Und knapp zehn Minuten nach dem Start landete die erste Stufe der Rakete aufrecht auf einem unbemannten Schiff im Atlantik.

Es war das erste Mal, dass die NASA die Dienste von SpaceX für eine wissenschaftliche Mission in Anspruch nahm. Bisher hatte SpaceX in erster Linie mit seinem „Dragon“-Frachter im Auftrag der NASA Nachschub zur Internationalen Raumstation (ISS) gebracht.

Musk will in Richtung Mars

Doch Musk hat noch viel weitreichendere - und durchaus von Experten belächelte - Pläne: Sein Unternehmen baue gerade an dem ersten Raumschiff „Big Falcon Rocket“ („BFR“), das sehr wahrscheinlich im ersten Halbjahr 2019 erste Flüge unternehmen könne, sagte er im März. Und mit dieser Rakete soll dann der Mars erreicht werden.

Elon Musk

Reuters/Joe Skipper

Elon Musk

Die erste Landung seines Raumschiffs auf dem Planeten peile er für 2022 an, hatte Musk vergangenes Jahr schon angekündigt. Den Mars zu bevölkern, steht im Mittelpunkt seiner Pläne. „Es ist wichtig, eine sich selbst versorgende Basis auf dem Mars zu haben, denn er ist weit genug von der Erde entfernt. Damit ist es wahrscheinlicher, (im Kriegsfall) zu überleben als etwa auf dem Mond“, sagte er.

Leben und Arbeiten im All?

Auch Bezos gibt sich mit dem Erreichten noch lange nicht zufrieden. Schon 2016 kündigte er die Schwerlastrakete „New Glenn“ an, die dann in direkter Konkurrenz zu den SpaceX-Modellen stehen soll. Neben kommerziellen Diensten für NASA und Satellitentransporte schweben Bezos aber auch ganz andere Dinge vor: „Unsere Vision ist es, dass Millionen Menschen im All leben und arbeiten werden.“

IT und der Traum vom Weltraum

Dass mit Musk und Bezos zwei Männer große Weltraumvisionen haben, die genau aus der IT- und Technologiebranche kommen, ist natürlich kein Zufall. SpaceShipOne, das Pionierprojekt der privaten Raumfahrt, das 2004 mit dem ersten privaten bemannten Weltraumflug in die Geschichtsbücher einging, wurde von Paul Allen, einem Mitbegründer von Microsoft, finanziert. Der Nachfolgetyp SpaceShipTwo wiederum wurde vom schillernden britischen Milliardär Richard Branson gesponsert, der sein Unternehmensimperium zunächst mit dem Musikkette Virgin Records gestartet hatte und danach in unzähligen Branchen, auch der Luftfahrt, sein Glück versucht hatte.

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