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Große Gefahr von Explosionen

Elon Musk, Gründer von Tesla und SpaceX, hat große Ambitionen im All. Nicht nur plant er mit seinem 2002 gegründeten Unternehmen SpaceX bis 2022 einen Flug zum Mars. Er arbeitet auch an einem System, Raketen wiederverwendbar zu machen – und noch leistungsfähiger. Dabei handelt er sich aber einen Konflikt mit der US-Weltraumbehörde NASA ein.

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Um die Falcon-9-Rakete noch leistungsfähiger zu machen, soll der Treibstoff mit extrem niedrigen Temperaturen in die Tanks gefüllt werden. Dadurch soll das Volumen der Füllmenge reduziert werden und so mehr Treibstoff in die Tanks passen. Allerdings müssen bei diesem Vorgang die Astronauten bereits an Bord der Rakete sein, denn aufgrund der besonders niedrigen Temperaturen muss kurz vor dem Start getankt werden.

Elon Musk

Reuters/Joe Skipper

Musk will mit einer riskanten Methode seine Raketen noch leistungsfähiger machen

Experten inner- und außerhalb der NASA bewerten diese Methode, auch bekannt unter dem Namen „Load-and-Go“, als großes Risiko. Ein Missgeschick beim Tanken, ein Funke reichten, um eine Explosion auszulösen. Die Diskussion über dieses Verfahren gewinnt nun an Brisanz, will SpaceX doch noch heuer auch Menschen und nicht nur Transportgüter ins All befördern, berichtete die „Washington Post“.

„Identifizierung aller Risiken unmöglich“

Die NASA fürchtet nicht einschätzbare Risiken insbesondere für die Astronauten. Der Schock der „Challenger“-Katastrophe (1986) und des „Columbia“-Unglücks (2003) mit insgesamt 14 toten Astronautinnen und Astronauten wirkt bis heute nach. Entsprechend pocht die US-Weltraumbehörde auf die Einhaltung der Sicherheitskriterien. Die „Load-and-Go“-Methode sei von der NASA aufgrund der Sicherheitsrisiken bisher immer zurückgewiesen worden, so auch John Mulholland, der früher für das Shuttle-Programm arbeitete. „Alle Risiken zu identifizieren ist unmöglich“, konstatierte NASA-Vizechef William Gerstenmaier bei einem Kongresshearing in diesem Jahr.

Schließlich war auch SpaceX nicht vor Zwischenfällen - 2015 und 2016 - gefeit, bei denen zwei Raketen bei Explosionen zerstört wurden. 18 erfolgreiche Starts legte das Unternehmen im vergangenen Jahr hin, heuer sollen es noch mehr werden. Doch Menschen wurden bisher nicht transportiert. Das soll sich aber ändern. Musk hat große Pläne. Das aktuellste Falcon-9-Modell soll bereits einige Male verwendet werden mit Überprüfungen aber ohne Wartungsarbeiten.

NASA zu „risikoscheu“

Unterstützer von SpaceX kritisieren die geringe Risikobereitschaft der NASA und sehen sie als Hemmschuh für Innovation. Selbst Robert Lightfoot, bis vor Kurzem noch Leiter der NASA, merkte in einer Rede kürzlich selbstkritisch an, dass die NASA zu „risikoscheu“ geworden sei. Er zeigte sich zudem skeptisch, ob die Astronauten Buzz Aldrin und Neil Armstrong in dem heutigen Risikoumfeld jemals in der Lage gewesen wären, zum Mond zu fliegen, zitierte die „Washington Post“ aus seiner Rede.

"Dragon capsule" kommt bei der ISS an

AP/NASA

Mit dem „Dragon“-Raumschiff von SpaceX wurde Anfang April Nachschub für Nahrung und Experimente zur ISS geliefert

Die NASA hatte sich - auch als Konsequenz aus den Katastrophen - sukzessive aus dem Transport von Menschen und Gütern etwa zur Internationalen Raumstation (ISS) zurückgezogen und das zunächst Russland überlassen. Die Kosten dafür waren enorm. Verlangte Russland 2006 noch 21,3 Millionen Dollar pro Platz, kostete dieser 2015 laut „Washington Post“ bereits fast 82 Mio. Dollar. Um die Abhängigkeit von Russland zu reduzieren, lagerte die NASA ihre Transportflüge zunehmend an Private wie etwa SpaceX aus. 2011 wurde das Shuttle-Programm der NASA zur Gänze eingestellt.

„Sicherster Platz ist auf der Erde“

Musks Unternehmen sowie Boeing wurden von der US-Weltraumbehörde beauftragt, eine Raumfähre für die bemannte Raumfahrt zu bauen. Die Vorgabe dafür: Die Todeswahrscheinlichkeit sollte statistisch gesehen nicht größer sein als ein Fall pro 270 Flüge. Ein Weg, wie man das umsetzen könne, sei, nicht zu fliegen, gestand selbst Ex-NASA-Chef Lightfoot zu: „Der sicherste Platz ist auf der Erde.“ Ob SpaceX die „Load-and-Go“-Methode umsetzen und zuerst die Crew einsteigen lassen und dann den Tank befüllen darf, ließ Gerstenmaier bisher offen. Die NASA habe darüber noch nicht entschieden. Aber er schloss es nicht aus.

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