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Schwer integrierbarer Superheld

Nach dem überraschenden Erfolg 2016 ist Marvels Supermutant Wade Wilson alias Deadpool (Ryan Reynolds) zurück auf der Leinwand. Dieses Mal bekommt er es mit einem bionischen Soldaten aus der Zukunft zu tun. Im Vergleich zum ersten Film legt „Deadpool 2“ noch ein Schäuferl nach, was Gewalt, Kitsch und Schimpftiraden betrifft.

Im Kampf gegen das Verbrechen ist Deadpool alles andere als zimperlich: Die Körperteile fliegen, das Blut spritzt, niemand wird vom goscherten Superhelden im rot-schwarzen Kostüm verschont. Sein Verhalten macht Wilson nur schwer integrierbar im X-Men-Universum. Der silberglänzende Gigant Colossus (gesprochen von Stefan Kapicic) probiert es trotzdem, Deadpool ins X-Men-Kollektiv zu holen. Doch schon der erste Einsatz als „Trainee“ geht schief und bringt Wilson ins Hochsicherheitsgefängnis.

Szene aus dem Film "Deadpool 2"

2018 Twentieth Century Fox

Mehr Auftragsmörder als Superheld: Deadpool

Unter seinem sich selbst regenerierenden Äußeren hat Deadpool aber einen weichen Kern. Und so versucht er, den jungen Mutanten Russell alias „Feuerfaust“ (Julian Dennison) vor dem bionischen Soldaten Cable (Josh Brolin) zu retten. Dafür castet er eine verrückte Truppe, deren Mitglieder mehr oder weniger ausgeprägte Superkräfte haben - die „X-Force“.

Durch den Fleischwolf gedreht

So weit, so „normal“ die Handlung für eine Comicverfilmung. Der Weg zum Showdown ist allerdings nicht nur mit abgehackten Gliedmaßen, sondern mit reichlich absurdem Humor gepflastert. Wie schon in Teil eins durchbricht Deadpool die „vierte Wand“ und wendet sich direkt ans Publikum (etwa um die Faulheit der Drehbuchautorinnen und -autoren zu beklagen).

Szene aus dem Film "Deadpool 2"

2018 Twentieth Century Fox

Cable kommt aus der Zukunft - Brolin war heuer schon als Superbösewicht Thanos in „Avengers: Infinity War“ zu sehen

Daneben brennen Regisseur David Leitch („John Wick“) und Reynolds ein Feuerwerk an Film- und Selbstreferenzen ab. Brolin, der in „Avengers: Infinity War“ den Titanen Thanos spielt, wird als solcher benamst; sein mechanischer Arm erinnert an den des ebenfalls aus dem Marvel-Universum bekannten Winter Soldier. Und: Deadpool ist der einzige Superheld, der sich der Tatsache bewusst ist, eine Filmfigur zu sein - und entsprechend selbstironisch damit umgeht.

Schwierige Fortsetzung der Fortsetzung

Die übetriebenen Gewalt- und vor allem die absurd lange ausgewälzten Kitschszenen (unter Zuhilfenahme von schnulziger Musik) machen „Deadpool 2“ streckenweise langatmig. Und doch funktioniert der Film als Satire auf das Comickino und als würdiges Sequel für den ersten Teil. Auch in Sachen Einspielergebnis könnte der Streifen an seinen Vorgänger herankommen. Deadpool spielte 2016 weltweit rund 630 Mio. Euro ein - so viel wie noch kein anderer Film ohne Jugendfreigabe in den USA.

Es stellt sich allerdings die Frage, wo das alles hinführen soll. Die übertriebene Gewalt, absichtlich in die Länge gezogene Kitschszenen, das Feuerwerk an Hinweisen auf andere Comicverfilmungen, die Selbstreferenzen: Es scheint schwierig, einen noch abgedrehteren Superheldenfilm auf die Leinwand zu bringen. Als entscheidend für die Zukunft des Superhelden könnte sich auch ein Milliardendeal im Filmbuisness erweisen: Sollte die Übernahme von 21st Century Fox - das die Rechte an den X-Men und damit an Deadpool hält - durch die Marvel-Studios-Mutter Disney durchgehen, könnte Deadpool in ferner Zukunft sogar Teil der Avengers werden.

Ein weiterer Teil scheint derzeit aber ohnehin nicht geplant. Reynolds sagte unlängst in einem Interview, er sei „viel zu erschöpft“, um sich Gedanken über einen dritten Teil der Superheldengeschichte zu machen. „Deadpool 2“ promotete der Hollywood-Star mit vollstem Einsatz - und mitunter auf Kosten seines Kostars.

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