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„Ja, sie werden mir fehlen“

Lob, viel Anerkennung und auch Kritik hat es für Michael Häupl (SPÖ) zum Abschied von den anderen Parteien im Wiener Gemeinderat gegeben. Vor allem die Klubchefs von NEOS und ÖVP, Beate Meinl-Reisinger und Manfred Juraczka, zollten dem langjährigen Stadtchef Respekt. Kritik gab es von der FPÖ. Die Grünen dankten für den Mut Häupls, 2010 erstmals Rot-Grün gemacht zu haben.

„Ja, Sie werden mir fehlen,“ so Meinl-Reisinger, die als Erste nach Häupls Rede das Wort ergriff. „Sie sind eine Kultfigur geworden.“ Sie dankte ihm dafür, Wien in der EU positioniert und in den vielen Jahren des politischen Wirkens „die Wienerinnen und Wiener stets im Fokus gehabt“ zu haben. Häupl könne als Vorbild dienen, wenn es darum gehe, „sich am Ende einer Arbeitswoche oder eines Arbeitslebens in den Spiegel schauen zu können“ und eigenen Überzeugungen treu zu bleiben. Das zeuge von Charakter, so Meinl-Resinger, die gestand, dass der Sager „Auf Euch hamma ned gewartet“ nach dem NEOS-Einzug sie besonders angespornt habe.

Von Juraczka kam neben Anerkennung auch leise Kritik: Häupls Intellektualität habe auch dazu geführt, dass „du mit mir lieber über die umstrittene Bodenpolitik von Salvador Allende im Chile der 1970er Jahre diskutiert hast als über die aktuellen Probleme in der Wiener Verkehrspolitik“. Doch bei allen inhaltlichen Differenzen: „Eines ist klar: 24 Jahre an der Spitze dieser Stadt, das kann kein Zufall sein“, räumte Juraczka ein: „Und mit dir zu streiten hat oft viel mehr Spaß gemacht, als mit anderen einer Meinung zu sein.“ Als Geschenk überreichten die Rathaus-ÖVPler dem Hobbykoch Häupl das „Kochbuch des Sozialismus“.

Grüner Respekt für Häupls Mut

Für den grünen Koalitionspartner trat Urgestein Christoph Chorherr ans Rednerpult - schließlich sei er schon bei der Angelobung Häupls dabei gewesen. Er zollte Häupl Respekt dafür, im richtigen Moment immer wieder Mut gezeigt zu haben, etwa bei der Koalition mit den Grünen. Er würdigte die „Haltung“ des scheidenden Stadtoberhaupts in Sachen Weltoffenheit, Vielfalt, Versöhnung („Nicht ein Entweder-oder, sondern ein Sowohl-als-auch“) und seine „Vielgesichtigkeit“, mit der Häupl viele Gesellschaftsschichten anspreche. Entsprechend gab es zum Abschied ein Bild mit Häupl in unterschiedlichen Rollen - vom Punk bis zum Grantler.

Die FPÖ war etwas rauer im Ton. Obwohl sich Häupl bei allen Wienern bedankt habe, dass sie ihm so lange das Vertrauen geschenkt hätten, sei er sich nicht sicher, ob alle Wiener diesen Dank zurückgeben, sagte Klubchef Anton Mahdalik. „Vieles hat sich in dieser Zeit verändert - auch zum Negativen“, wie „Parallelgesellschaften“, durch die sich viele Einheimische nicht mehr sicher fühlten. Mahdalik thematisierte auch das Spritzertrinken und meinte, dass es im Bürgermeisteramt keine Gefahr für ein Burn-out gebe. Anders als bei den anderen Fraktionsvertreter gab es von Häupl dafür keinen Applaus.

„Du warst ein klasser Bürgermeister“

Zum Schluss würdigte SPÖ-Klubchef Christian Oxonitsch Häupl für die vergangenen 24 Jahre. Dessen Engagement sei bis zum letzten Tag seiner Amtszeit groß gewesen: „Wien ist mit dir noch ein bissl klasser geworden, und du warst ein klasser Bürgermeister“, zog Oxonitsch Bilanz - und vergaß dabei auch nicht, sich bei den scheidenden roten Stadträten Andreas Mailath-Pokorny, Renate Brauner und Sandra Frauenberger zu bedanken.

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