Turkmenistan: Zeitungen als Klopapierersatz verboten

Der Personenkult um Turkmenistans autoritären Präsidenten Gurbanguly Berdimuchamedow treibt einmal mehr seltsame Blüten: Die Bevölkerung wird gewarnt, Zeitungen nicht als Klopapierersatz zu verwenden, weil dabei Bilder des Präsidenten beschmutzt werden könnten. Das berichtete die BBC unter Berufung auf das russische Onlineportal Fergana.ru, das als verlässliche Quelle für das isolierte Land gilt.

In Zeitungen omnipräsent

Laut den Berichten überwachen Staatsbedienstete Müllhalden und -Sammelstellen, um Beweise für Verstöße gegen das Verbot zu suchen. Wird jemand der Tat überführt, gibt es eine Verwarnung.

Laut mehreren Onlineportalen ist die Verwendung von Zeitungen in Toiletten in dem völlig verarmten Land weit verbreitet, weil sich die Bevölkerung kein Klopapier leisten kann oder will. Die Beschmutzung eines Präsidentenbildes sei dann praktisch unausweichlich, weil Berdimuchamedow in den staatlich kontrollierten Zeitungen omnipräsent ist.

Bizarrer Personenkult

Der ausgebildete Zahnarzt Berdimuchamedow ist der Nachfolger des 2006 verstorbenen Diktators Saparmurat Nijasow. Vor seiner Zeit als Präsident arbeitete er unter anderem als Gesundheitsminister und Vizeregierungschef. Als Staatschef fördert er einen ausschweifenden Personenkult. Er ließ sich zum „Helden des Landes“ und „Bewahrer des Paradieses auf Erden“ küren.

Noch bizarrer war die Selbstinszenierung des früheren Diktators Nijasow („Turkmenbaschi“ - „Vater aller Turkmenen“). Standbilder von ihm zierten das ganze Land, und die Lektüre von Nijasows „Geistigem Leitfaden“ war sogar Bestandteil der Führerscheinprüfung.

Unter Berdimuchamedow keimte zunächst die Hoffnung auf eine Öffnung des Landes. Nach zarten Reformen regierte der neue Präsident aber bald ähnlich autoritär wie sein Vorgänger. Zuletzt berief er seinen Sohn Serdar als stellvertretenden Außenminister ins Kabinett. Es wird vermutet, dass er ihn als Nachfolger in Stellung bringen will.