Streit über Krebs durch NATO-Bomben in Serbien

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Unmittelbar nach dem Start einer Untersuchungskommission, die einen Zusammenhang zwischen Krebsfällen und NATO-Bomben in Serbien untersuchen soll, ist ein öffentlicher Streit unter Experten ausgebrochen.

Der Belgrader Mediziner Zoran Radovanovic warf Kollegen, die von einer Verdoppelung oder Verdreifachung der Krebsfälle berichteten, eine „ernsthafter Menschen unwürdige Manipulation“ vor.

Radovanovic gab an, dass sich Serbien bei den Krebserkrankungen im Mittelfeld von 36 europäischen Staaten befinde. Das Risiko, an Krebs zu sterben, sei in den Jahren 2005 und 2015 gleich hoch gewesen.

Die Belgrader Neurochirurgin Danica Grujicic ist ganz anderer Meinung. Der weltweite Durchschnitt von Krebserkrankungen pro einer Million Einwohner liege bei 2.000 Personen, in Serbien habe es 2014 allerdings 5.500 Krebserkrankte pro einer Million Einwohner gegeben. Das sei das 2,7-fache des globalen Durchschnitts, erläuterte Grujicic gegenüber der Tageszeitung „Blic“.

Angriffe wegen des Kosovo-Kriegs

Die parlamentarische Kommission soll nicht nur die eventuellen Folgen des Einsatzes von Munition mit abgereichertem Uran, sondern auch die Folgen sonstiger chemischer Umweltverschmutzung untersuchen, die etwa bei der Bombardierung von Raffinerien entstanden war. Erste Ergebnisse sollen dem Parlament im Jahr 2020 präsentiert werden. Mit Luftangriffen auf die damalige Bundesrepublik Jugoslawien hatte die NATO im Frühjahr 1999 dem Kosovo-Krieg ein Ende gesetzt.