Deutscher Bühnenverein plant Kodex gegen Belästigung

Die im Deutschen Bühnenverein zusammengeschlossenen Theater und Orchester wollen sich im Kampf gegen Machtmissbrauch und sexuelle Belästigung einen gemeinsamen Wertekodex geben. Dieses Papier soll bei der Jahreshauptversammlung des Bühnenvereins am 8. und 9. Juni in Lübeck verabschiedet werden.

Im Zusammenhang mit der „#Metoo“-Bewegung seien auch in einigen Theatern Belästigungsvorwürfe bekanntgeworden, sagte der Geschäftsführende Direktor des Deutschen Bühnenvereins, Marc Grandmontagne. Mit dem Kodex und der geplanten Einrichtung einer neutralen Beratungsstelle solle für alle Beteiligten Vertrauen geschaffen werden.

Bezahlung und Familienfreundlichkeit

Auf der Tagung wird auch das Thema Geschlechtergerechtigkeit eine große Rolle spielen. „Derzeit sind nur rund 20 Prozent der Führungspositionen in Theatern und Orchestern mit Frauen besetzt", so Grandmontagne. Man wolle diskutieren, warum das so ist. Die Theater und Orchester würden zudem daran arbeiten, familienfreundlicher zu werden.“ Vorbilder in Skandinavien und den Benelux-Staaten zeigten, dass es auch anders gehe.

Dazu gehöre auch die Bezahlung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Schauspielerinnen, Orchestermusikerinnen und Bühnentechnikerinnen an öffentlich finanzierten Theatern würden ihre Arbeit genauso wie Mitarbeiterinnen von Stadtverwaltungen oder Abfallwirtschaftsbetrieben leisten. „Sie haben den gleichen Anspruch auf Tariferhöhungen“.

An der Tagung nehmen etwa 250 Intendanten und Intendantentinnen, Verwaltungsdirektoren und Verwaltungsdirektorinnen und Kulturpolitiker und Kulturpolitikerinnen teil. Dem Deutschen Bühnenverein gehören rund 100 Orchester und 217 Theater an, davon 74 Privattheater. Ein weiteres Schwerpunktthema der Jahreshauptversammlung, die zum zweiten Mal nach 1961 in Lübeck stattfindet, wird die Digitalisierung in unterschiedlichen Formen sein.