Malta will Flüchtlingsschiff „Aquarius“ nicht aufnehmen

Der Streit zwischen Italien und Malta um das Flüchtlingsschiff „Aquarius“ mit 629 Flüchtlingen an Bord droht zu eskalieren. Malta erklärte gestern Abend, es fühle sich nicht dafür zuständig, das Schiff aufzunehmen, berichtete die italienische Nachrichtenagentur ANSA.

Flüchtlinge auf dem Deck der "Aquarius"

APA/AFP/Louisa Gouliamaki

Die Rettung der Menschen sei in libyschen Gewässern erfolgt und von der italienischen Küstenwache koordiniert worden. Malta habe in dem Fall keine Zuständigkeit, hieß es.

Italiens Innenminister will weniger Ankünfte

Der italienische Innenminister Matteo Salvini will die Ankünfte von Flüchtlingen in Italien weiter reduzieren. Nach Medienberichten forderte er gestern die maltesischen Behörden in einem Schreiben auf, dem Rettungsschiff „Aquarius“ das Einlaufen in den Hafen Valletta zu erlauben. Dies sei der nächstgelegene sichere Hafen. An Bord der „Aquarius“ befinden sich Helfer von Ärzte ohne Grenzen (MSF) sowie SOS Mediterranee.

Nicht die erste Weigerung

Malta hatte bereits am Freitag die Einfahrt des NGO-Schiffes „Seefuchs“ mit 126 Menschen an Bord nicht erlaubt. Wegen der schlechten Wetterbedingungen bot Malta dem Schiff lediglich Unterstützung auf See an. Daraufhin griff die italienische Küstenwache ein brachte das Schiff in das sizilianische Pozzallo.

„Die Malteser können nicht immer Nein sagen, wenn es um die Schiffe geht, die Migranten im Mittelmeer retten“, empörte sich Salvini am Freitag. Malta liege Afrika näher als Sizilien und habe die Pflicht, seinen Teil beizutragen.

Die italienische Sprecherin des Flüchtlingswerks UNHCR, Carlotta Sami, warnte indes, dass die Rettung von Migranten im Mittelmeer Priorität haben müsse. Der Präsident der Sozialdemokraten (PD), Matteo Orfini, sprach von einem „absurden Duell“ zwischen Italien und Malta. Rechtsparteien lobten dagegen „Salvinis Mut“.