Themenüberblick

Eindeutige Stimmungslage

Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel beugt sich nach vorn und bearbeitet gemeinsam mit anderen Gipfelpartnern den störrischen US-Präsidenten Donald Trump: So wird das zentrale Foto vom Treffen der großen Industrienationen in Kanada gedeutet. Es zeigt die heillose Zerstrittenheit der größten Industriestaaten mit Trump.

Dieser Artikel ist älter als ein Jahr.

Wie der Streit über das Abschlusspapier kann das Bild als Beleg der Spaltung gesehen werden: Trump gegen Merkel und den Rest der G-7. Rechts auf dem Foto der US-Präsident, mit verschränkten Armen sitzt er auf einem Sessel. Neben ihm steht US-Sicherheitsberater John Bolton.

Eindrücke vom G7-Gipfel

Reuters/Deutsche Bundesregierung/Jesco Denzel

Anspannung und verschränkte Arme

Nur einer sitzt

Es wirkt, als würden einander Merkel und Trump anschauen. Entschlossen, vielleicht ein wenig verschlossen der US-Präsident, aber nicht feindselig. Auch die anderen stehen, unter anderen Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron und die britische Premierministerin Theresa May, beide sind aber von anderen Personen großteils verdeckt. Japans Regierungschef Shinzo Abe beobachtet die Szenerie mit verschränkten Armen. Menschen, die dabei waren, sagen, es sei bei dem spontanen Gespräch um den Handelstext im Abschlusskommunique gegangen.

Trump habe sich gerade von seinen Mitarbeitern Details erklären lassen. Vier eckige Klammern, die in solchen Texten bis zuletzt strittige Punkte markieren, soll die Passage zu dieser Zeit noch enthalten haben.

Es gibt auch andere Perspektiven

Verbreitet wurde das Foto von der deutschen Regierung: Regierungssprecher Steffen Seibert schrieb auf Twitter nüchtern zu dem Foto: „Beratungen am Rande der offiziellen Tagesordnung“. Fotografiert wurde es von Jesco Denzel, einem der offiziellen Fotografen der deutschen Regierung.

Doch es gibt von derselben Szene auch andere Aufnahmen aus anderen Perspektiven - die ein deutlich anderes Bild zeichnen: intensive Beratungen, aber deutlich weniger Spannungen. Jede Seite versucht, die Bilder in ihrem Sinne zu deuten. Es gibt sogar ein Foto, auf dem Trumps Berater Bolton lacht - das tut er sonst nur selten.

Renner im Web

Dennoch: Im Netz wurde das Foto schnell zum wohl wichtigsten des ganzen Gipfels. Hundertfach wurde es in Sozialen Netzwerken gelikt, geteilt und kommentiert - auch von Politikern wie dem Fraktionschef der Liberalen im Europaparlament, Guy Verhofstadt.

An ein klassisches Gemälde erinnere das Bild, so der Tenor viel Nutzerinnen und Nutzer. Entsprechend rasch kursierten „künstlerische“ Variationen des Fotos in den Netzwerken.

Bilder als Spiegel der Weltpolitik

Doch es ist nicht das einzige Foto des Gipfels, das den Streit innerhalb der wichtigsten Industrienationen auf den Punkt bringt. Auf einem anderen ist Trump mit IWF-Chefin Christine Lagarde ins Gespräch vertieft zu sehen - im Hintergrund wirft Merkel den beiden einen finsteren Blick zu.

Angela Merkel, Christine Lagarde und Donald Trump

APA/AFP/Ludovic Marin

Scharfer Blick Merkels

Dass G-7-Bilder auch ganz anders aussehen können, beweist ein Foto aus dem Jahr 2015 vom Gipfel im bayrischen Elmau: Da steht die deutsche Kanzlerin in hellrotem Blazer mit ausgebreiteten Armen vor dem lässig auf einer Holzbank sitzenden US-Präsidenten Barack Obama. Doch die Zeit solcher Bilder voll Harmonie und Eintracht zwischen den mächtigsten Politkern der Welt gehört wohl der Vergangenheit an.

Barack Obama und Angela Merkel

APA/dpa/Michael Kappeler

Harmonie in Bayern anno 2015

Links: