Familienbeihilfe: Pflegekräfte könnten Österreich verlassen

Die von der Regierung geplante Indexierung der Familienbeihilfe für Kinder im EU-Ausland könnte dazu führen, dass zahlreiche Pflegekräfte Österreich den Rücken kehren. In einer Umfrage der in Bratislava ansässigen Organisation Altern in Würde gaben 30 Prozent der Betreuerinnen an, ihre Tätigkeit in Österreich zu beenden, wenn die Kürzungen umgesetzt werden, hieß es heute in einer Aussendung.

In Österreich arbeiten laut der Organisation rund 65.000 Personenbetreuerinnen, die meist aus benachbarten EU-Ländern in Osteuropa kommen. Rund ein Drittel der Betreuerinnen dürfte für ihre Kinder Familienbeihilfe aus Österreich beziehen. Kaum eines dieser Kinder lebt in Österreich, da die Betreuerinnen während ihrer Dienstzeit meist bei den betreuten Personen wohnen. In dieser Zeit müssen die Kinder von anderen Personen versorgt werden.

26 Prozent wollen höheres Honorar verlangen

Die rund 1.400 Teilnehmerinnen der Umfrage kamen hauptsächlich aus der Slowakei und Rumänien. Die Befragung wurde online im Zeitraum von Mitte Mai bis Anfang Juni durchgeführt.

26 Prozent der Betreuungskräfte sehen sich gezwungen, ein höheres Honorar von den betreuten Personen zu verlangen, und 24 Prozent wollen sich die gleiche Tätigkeit in einem anderen EU-Land suchen. 61 Prozent der Befragten gaben an, Alleinverdienerin zu sein.

Ministerin fürchtet keine Veränderungen

Familienministerin Juliane Bogner-Strauß (ÖVP) fürchtet durch die Indexierung der Familienbeihilfe für Kinder im EU-Ausland keine gröberen Auswirkungen auf die Pflege in Österreich. Laut ihr vorliegenden Daten seien bei 75 Prozent der Betreuerinnen die jüngsten Kinder über 18 Jahre alt.

Rund ein Viertel der betroffenen Betreuerinnen habe Anspruch auf die Familienbeihilfe: „Da lediglich rund 25 Prozent der Betreuerinnen betroffen sind, gehen wir weiterhin von keiner signifikanten Veränderung in der Pflege aus“, reagierte Bogner-Strauß gegenüber der APA auf eine Umfrage der Organisation Altern in Würde. 52 Prozent der selbstständigen Betreuerinnen seien über 50 Jahre alt, die häufigste Altersgruppe sei jene von 50 bis 54 Jahre.