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Erfundene Nachricht mitten in Asylstreit

Ein Redakteur des deutschen Satiremagazins „Titanic“ hat Freitagmittag in einem Fake-Account mit der Optik des Hessischen Rundfunks (HR) die Aufkündigung der Union zwischen CSU und CDU verkündet und damit inmitten des heftigen deutschen Asylstreits zwischen den Schwesterparteien für Aufruhr gesorgt.

Mehrere Nachrichtenagenturen und deutsche Medien übernahmen die von Redakteur Moritz Hürtgen erfundene Nachricht mit Berufung auf den angeblichen HR-Account und revidierten das erst einige Minuten später.

Hürtgen hatte unter dem Account mit dem Namen „hr Tagesgeschehen" gepostet, dass CSU-Innenminister Horst Seehofer in einer internen E-Mail an den hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier (CDU) die Aufkündigung des Bündnisses angekündigt habe. "... müssen uns jetzt darauf vorbereiten, bei der nächsten Bundestagswahl mit einer neuen Bayern-CDU anzutreten“, so ein „Auszug“ aus der fiktiven Mail. Der gefälschte Account hatte auch eine Pressekonferenz angekündigt.

CSU: „Quatsch“

Der „Spiegel“ wies schließlich auf Twitter darauf hin, dass es sich bei dem Account um Hürtgen handelt - da war es aber vielerorts schon zu spät. Ein offizielles Statement gab es aus der CSU-Landesgruppe im Bundestag gegenüber Reuters. Laut dieser war der Tweet „Quatsch“.

Man wolle die „Fraktionsgemeinschaft und die Koalition erhalten“, hieß es weiter. Zudem könne Seehofer das Bündnis nicht im Alleingang aufkündigen. Auch CSU-Vorstandsmitglied Hans Michelbach sprach gegenüber AFP von „Fake News“. Er verwies ebenfalls darauf, dass Seehofer gar nicht im Alleingang die Fraktionsgemeinschaft aufkündigen könne - zu solch einem - allerdings nicht geplanten - Schritt sei immer ein Beschluss der Gremien nötig.

„Titanic-Goldmitgliedschaft“ empfohlen

Der Nachrichtenagentur AFP sagte ein CSU-Sprecher unmittelbar auf Nachfrage zu der Meldung, diese sei „totaler Unsinn“. Auch Tweet-Verfasser Hürtgen meldete sich nach Auflösung der Aufregung zu Wort: Er empfahl „allen politikinteressierten Bürgern eine Titanic-Goldmitgliedschaft“.

Der Tweet sorgte für eine derartige Aufregung, weil der Bruch für möglich gehalten wird. So reagierte der Euro-Kurs mit einem kurzfristigen Einbruch. Erst am Donnerstag hieß es in mehreren Zeitungsberichten, dass die CSU eine Aufkündigung der Fraktionsgemeinschaft mit der CDU erwäge.

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