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Applaus an Bord

Das vor einer Woche von Italien und Malta abgewiesene Rettungsschiff „Aquarius“ ist in Spanien eingetroffen. Mit 106 Flüchtlingen an Bord fuhr die „Aquarius“ am Sonntag kurz vor 11.00 Uhr in den Hafen der spanischen Stadt Valencia ein. Das Schiff hatte insgesamt 629 Migranten, die vor der libyschen Küste auf verschiedenen Booten unterwegs waren, aus Seenot gerettet.

Das von der Hilfsorganisation SOS Mediterranee gecharterte frühere Vermessungsschiff hatte am vergangenen Wochenende insgesamt 629 afrikanische Flüchtlinge, die vor der libyschen Küste auf verschiedenen Booten unterwegs waren, aus Seenot gerettet. Zur Überfahrt nach Spanien wurden Hunderte dieser Flüchtlinge auf die italienischen Schiffe „Dattilo“ (274) und „Orione“ (249) verteilt.

Flüchtlinge werden von der "Aquarius" auf ein Schiff der italienischen Küstenwache transferiert

APA/AP/SOS Mediterranee/Kenny Karpov

Ein Großteil der über 600 Menschen an Bord der „Aquarius“ war auf zwei andere Schiffe verteilt worden

Zuerst traf Sonntagfrüh das italienische Marineschiff „Dattilo“ in Valencia ein. Als das Schiff im Hafen anlegte, war an Bord Applaus zu hören. Zunächst gingen Ärzte mit Schutzanzügen auf das Schiff, um die Flüchtlinge zu untersuchen. Die Menschen an Bord - darunter 60 Minderjährige ohne Elternbegleitung und eine schwangere Frau - gingen im Laufe des Vormittags alle an Land.

Italien und Malta legten sich quer

„Der Gesundheitszustand ist bei allen 274 den Umständen entsprechend gut. Wir haben keine größeren Verletzungen festgestellt“, sagte der Regionalpräsident des spanischen Roten Kreuzes, Rafael Gandia. Gut vier Stunden später traf dann auch die „Aquarius“ in Valencia ein. Das italienische Marineschiff „Orione“ folgte am Sonntagnachmittag.

Flüchtlingsschiff legt in Valencia an

Nachdem die „Aquarius“ in Italien und Malta abgewiesen wurde, erreichte das Schiff mit über 600 Flüchtlingen an Bord die Küste Spaniens. Der Empfang in Valencia war freundlich.

Italien und Malta hatten sich geweigert, die „Aquarius“ anlegen zu lassen, und damit eine neue Krise in der EU-Flüchtlingspolitik ausgelöst. Schließlich hatte sich Spanien bereiterklärt, die Menschen ins Land zu lassen. Die Flüchtlinge waren vor einer Woche bei verschiedenen Rettungsaktionen vor der libyschen Küste von der französischen Hilfsorganisation SOS Mediterranee aufgenommen worden. Die Flüchtlinge kamen nach Angaben von Ärzte ohne Grenzen aus 26 Ländern, darunter neben afrikanischen Ländern auch Afghanistan, Pakistan und Bangladesch.

Für Rom ein „historischer Moment“

Die italienische Regierung begrüßte die Ankunft der „Aquarius“ in Valencia. Von einem „historischen Moment“ sprach der italienische Verkehrsminister Danilo Toninelli, der für Italiens Häfen zuständig ist. „Spaniens Beispiel ist nur der Beginn einer neuen Phase europäischer Solidarität“, twitterte Toninelli, Spitzenpolitiker der Fünf-Sterne-Bewegung. Zufrieden erklärte sich auch Italiens Innenminister Matteo Salvini. „Zum ersten Mal landet ein von Libyen abgefahrenes Schiff mit Migranten nicht in Italien. Das ist ein Zeichen, dass sich etwas ändert. Wir sind nicht mehr die Fußabstreifer Europas“, schrieb Salvini auf Facebook.

„Willkommen zu Hause“ in mehreren Sprachen

In Valencia standen 2.320 Helferinnen und Helfer bereit, um die Menschen aufzunehmen, darunter 470 Dolmetscher. Im Hafen wurde ein riesiges Plakat mit der Aufschrift „Willkommen zu Hause“ in mehreren Sprachen aufgehängt, darunter Katalanisch und Arabisch. Auch viele freiwillige Helfer kamen zum Hafen. Wie die spanische Regierung am Samstag bestätigte, soll ein Teil der Flüchtlinge von der „Aquarius“ nach Frankreich weiterreisen, sofern sie das wollen und die Voraussetzungen für Asyl erfüllen.

Italiens Innenminister Matteo Salvini

APA/AP/ANSA/Ettore Ferrari

Italiens Innenminister Matteo Salvini ließ die Öffentlichkeit am Wochende wissen, dass er weitere Schiffe abweisen wolle

Scharfe Kritik von Macron an Italien

Frankreich hatte Italiens Weigerung scharf kritisiert, das Hilfsschiff einlaufen zu lassen. Präsident Emmanuel Macron hatte Rom „Zynismus und Verantwortungslosigkeit“ vorgeworfen. Italiens Innenminister Salvini hatte am Samstag seine Ankündigung bekräftigt, Flüchtlingshilfsschiffe von Nichtregierungsorganisationen künftig abzuweisen. Die NGOs sollten wissen, „dass Italien nicht länger Komplize beim Geschäft mit der illegalen Einwanderung sein will“, schrieb der rechtspopulistischen Politiker der Lega auf Facebook.

NGO-Schiffe sollten sich andere Häfen außerhalb Italiens suchen. Er habe diese Entscheidung „als Minister und als Vater zum Wohle aller“ getroffen, erklärte Salvini. Der Innenminister äußerte sich konkret zu zwei Hilfsschiffen: Die beiden Schiffe „Seefuchs“ und „Lifeline“ warteten vor der libyschen Küste auf ihre „menschliche Fracht, die von den Schleppern zurückgelassen wird“. Beide Schiffe werden von deutschen Seenotrettern betrieben: Die „Seefuchs“ ist ein Rettungsschiff der Regensburger Hilfsorganisation Sea-Eye, die „Lifeline“ wird von der Dresdner Organisation Mission Lifeline betrieben.

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