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Hürden auf Weg zur Umsetzung

Ein Konsortium bestehend aus mehreren internationalen Gesellschaften soll in Zukunft den Betrieb der Internationalen Raumstation (ISS) übernehmen: So stellt sich offenbar die US-Weltraumbehörde NASA die Zukunft des von USA, Russland, Japan, Kanada sowie Europa geführten Weltraumlabors vor.

Zu diesem Zweck führt die NASA schon Gespräche mit mehreren Konzernen, wie der neue NASA-Administrator Jim Bridenstine der „Washington Post“ sagte. „Wir sind jetzt in der Position, in der es da draußen viele Leute gibt, die ein kommerzielles Management der Internationalen Raumstation übernehmen können“, so Bridenstine. „Ich habe mit vielen großen Gesellschaften gesprochen, die daran interessiert sind, eine Rolle, wenn Sie so wollen, in einem Konsortium zu spielen.“ Um welche Interessenten es sich handelt, wollte Bridenstine nicht sagen. Man habe aber noch genug Zeit, sich darüber Gedanken zu machen.

Die Internationale Raumstation ISS

NASA

Die ISS ist seit 20 Jahren der Außenposten der Menschheit

„Das wird nichts“

Das Weiße Haus hatte schon im Februar mit seinen Plänen für die ISS für Diskussionen gesorgt. Die staatlichen Mittel für das Weltraumlabor sollten 2025 - nach Ende der bereits vereinbarten Finanzierung - enden, danach könne man die US-Module der ISS in private Hände übergeben. Dafür solle die Industrie Marktanalysen und Businesspläne entwickeln. Das Ende der staatlichen Finanzierung bedeute nicht, dass die Station dann außer Betrieb genommen werde, hieß es. „Es ist möglich, dass die Industrie beginnen könnte, bestimmte Teile oder Fähigkeiten der ISS als Teil einer künftigen kommerziellen Plattform weiterzubetreiben.“ Details blieb man damals schuldig.

Die Reaktionen waren dennoch scharf: Der russische Experte Iwan Moissejew kritisierte die Pläne als Unsinn. „Das wird nichts“, sagte er der Agentur Ria Nowosti. Die Kosten der ISS seien so hoch, dass nur Staaten sie tragen könnten. „Unternehmen arbeiten für ihren Gewinn, das ist ihr einziges Ziel. Aber die ISS bringt keinen Gewinn, denn die Ausgaben sind deutlich höher als alle erdenklichen Einnahmen“, sagte der Leiter des Moskauer Instituts für Weltraumpolitik.

Viel Kritik an Bridenstine

Auch im US-Kongress waren viele Abgeordnete dagegen. Der republikanische Senator Ted Cruz sagte, das Vorhaben, die Gelder zu streichen, müsse wohl von „Strohköpfen“ in der Budgetverwaltung stammen. Selbst die Bestellung Bridenstines, der die NASA erst seit April leitet, rief von Anfang an Kritik hervor. Der Republikaner, der schon den menschengemachten Klimawandel anzweifelte, sei Politiker und kein Wissenschaftler. Sein Parteikollege, der Senator Marco Rubio, hatte vor Bridenstines Bestellung gar gesagt, dessen Wahl „könnte für das Weltraumprogramm verheerend sein“.

Denn dieser sprach sich schon früher dafür aus, dem privaten Sektor eine größere Rolle in der Weltraumforschung einzuräumen. Der US-Senat winkte Bridenstine schließlich mit einer hauchdünnen Mehrheit durch, nachdem er seine Meinung zum Klimawandel und die Verantwortung der Menschen revidiert hatte.

Umsetzung unklar

Die NASA sieht sich zudem seit Jahren mit privaten Konkurrenten konfrontiert. Elon Musk, Chef von SpaceX, plant die erste Mondumrundung mit zahlenden Weltraumtouristen mittlerweile für nächstes Jahr ein. Auch Amazon-Chef Jeff Bezos arbeitet mit seiner Firma Blue Origin an ambitionierten Raumfahrtplänen.

Mike Pence speaks und Jim Bridenstine

AFP/NASA/Joel Kowsky

Bridenstine (rechts, hier mit US-Vizepräsident Mike Pence) ist seit April NASA-Administrator

Wer die US-Kosten für die ISS, die sich laut Schätzung auf drei bis vier Milliarden US-Dollar (2,6 bis 3,4 Mrd. Euro) belaufen, übernehmen könnte, ist auch deshalb unklar, weil die ISS ja mit insgesamt vier Partnern betrieben wird. Russland, Japan, Kanada und die Europäische Weltraumorganisation (ESA) sind ebenso in die geschlossenen Verträge involviert wie die USA. Ein Mindestmaß an Konsens wäre hier vonnöten. Frank Slazer vom US-Wirtschaftsverband Aerospace Industries Association sagte zur „Washington Post“, man könnte den ISS-Betrieb in eine internationale Partnerschaft mit einer kommerziellen Seite und einer staatlich geführten Seite überführen. „Es wird aber von Natur aus immer ein internationales Konstrukt bleiben, das die Einbindung der US-Regierung und multinationaler Kooperation braucht.“

Mondaußenposten „Gateway“ in Planung

Für die Zukunft der US-Raumfahrt hatte US-Präsident Donald Trump die Marschrichtung schon im Dezember ausgegeben. Die USA wollen Astronauten auf den Mond und auf den Mars schicken. Dafür plant die NASA eine neue Raumstation. Dieser „Deep Space Gateway“ soll um den Mond kreisen und von dort aus Landungen auf dem Erdtrabanten und Flüge tiefer ins All ermöglichen. Auch Russland soll mitarbeiten. Experten schließen nicht aus, dass sich die Kräfte künftig von der ISS auf ein solches Projekt verlagern könnten.

Auch für Bridenstine gehört die Rückkehr auf den Mond zu den Prioritäten der NASA. Dazu habe er bereits viele Vertreter von Raumfahrtbehörden getroffen. „Es gibt viel Interesse am Mondaußenposten ‚Gateway‘, denn viele Länder wollen Zugang zur Mondoberfläche haben.“ So würde auch die Partnerschaft, die es bei der ISS gab, fortgesetzt, so Bridenstine. Das erste Gateway-Element werde aber nicht vor 2021 oder 2022 auf die Reise geschickt.

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